Hickhlisches Wirtshaus, Hotel Stern und Fuchs-Palast

September 10, 2012 um 16:18 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Über Jahrhunderte war man in St. Veit froh über die hohen Stadtmauern und mit Stolz blickten die Bürger auf die starken Stadttore, denn nicht selten drohte von irgendwo her Gefahr. Auch war der „Fremdenverkehr“ jener Zeiten kaum einmal ein Segen.

Doch die Verhältnisse änderten sich, damit auch das Sicherheits-Bedürfnis. Nach und nach wuchsen die Vorstädte, benannt nach den nächstgelegenen Orten Klagenfurt, Villach, Friesach und Weitensfeld. Mauern und Türme empfand man nur noch als Hindernisse, sei es bei Neubauwünschen oder im Straßenverkehr und so rückte man ihnen ziemlich ungeniert zu Leibe. Nach und nach fiel dort und da ein Stück der steinernen Stadteinfassung und von Toren ist heute überhaupt nichts mehr zu bemerken.

Es hat den Anschein, als wären Wirte die mutigsten Neusiedler außerhalb der Stadt gewesen, denn überall an den Einfahrtsstraßen entstanden mitunter recht stolze Einkehrgasthöfe, die ihren älteren Zunftgenossen in der Stadtmitte immer mehr Kunden und Geschäft wegschnappten. Im ältesten erhaltenen Stadtplan des F. Thomas Sartor von 1749 ist etwa der Sternwirt vor dem Friesacher Tor schon eingezeichnet und im Grundbuch der Kammerstadt St. Veit (1743ff) erscheinen innerhalb des alten Vorwerkes (Barbakane) ein Anton Türk, Maurermeister, Mathias Dirnkas, Sebastian Neuberger und der Hufschmied Franz Egger. Gleich danach, in Richtung Friesach, folgt schon F.X. Mayer, Gastgeb beim „Stern“ mit drei Hausnummern: 5 Sattlerkeusche, 6 „Lusthaus“, 7 Stern Wirtshaus. Je eine Wiesen- und Ackerparzelle, wo heute Parkhaus und Parkplatz liegen, gehörten gleichfalls zur Stern Realität. Im weiteren Verlauf, andere Straßenseite, folgten nur noch die Häuser 8 Drucker Keusche und 9 Anton Meiländer´s Wirt zum Schwarzen Adler.

Die wechselvolle Geschichte

des Stern-Wirtshauses während der letzten 250 Jahre lässt sich vielleicht am besten mit der Folge der Besitzer darstellen. Ist es doch neben Glück und Ungunst der Zeiten immer wieder und vor allem der Mensch, der mit Wagnis, Geschick und Fleiß oder mit dem Fehlen solcher Tugenden Erfolg und Niedergang einer Hauswirtschaft bestimmt. Ob in gewerblicher, gesellschaftlicher oder baulicher, heute müßte man ergänzend auch sagen, in politischer Hinsicht, der „Stern“ spielte im Leben der Stadt immer eine gewichtige Rolle.

Eine Auswertung des Bürgerbuches der Stadt St.Veit 1564-1884, Landesarchiv Katalog Stadt St. Veit, (Signatur 2) lässt präzise Schlüsse über Pächter und Besitzer, auch beim späteren Stern zu. Dreimal, nämlich 1675, 1690 und 1710 kamen Bürgeraufnahmen der Familie Hickhl vor. Zwei davon waren Fleischhauer von Beruf, was ja auch recht gut zu Gasthaus passte.

Im Steuerbuch (1753) kommt die höchste Steuerleistung aller Häuser der Friesacher Vorstadt von einer Frau Maria von Greifenstein, also vom Stern, ohne dass dieser ausdrücklich genannt wird. Bei Maria handelt es sich nämlich um eine geborene Hickhl, Tochter des Wirtes Mathias Hickhl (Bürger seit 1675) und Ehefrau des nobilitierten St. Veiter Bürgers und Gewerken Friedrich Kräschnig, auch Kraschnig (Bürger seit 1695). Sie kann nicht mehr selbst Wirtin, wohl aber immer noch Eigentümerin der Realität gewesen sein. Des Kräschnig Hauszeichen prangt noch über dem Eingangstor des Hauses Hauptplatz 9.

Im nahezu zeitgleichen Stadtplan des Sartor von 1750, ist die Sternrealität viel detailreicher dargestellt Planskizze I. Dem zufolge liegen direkt an der Ausfahrt nach Friesach gleich zwei größere Baukomplexe mit Innenhöfen. Allem Anschein nach ein Herrenhaus, ein Wirtschaftshof und erst danach nördlich angebaut jener älteste Gebäudeteil mit Gasthaus und  tiefen Kellern. Auch das später als „Lusthaus“ bezeichnete Objekt, westlich von den Hauptgebäuden ist bereits erkennbar. Dasselbe steht am Beginn eines Baumgartens, der wiederum durch eine Gartenmauer vom dahinter liegenden Park getrennt ist.

1746 wird Johann Leitgeb, „Gastgeb am Hicklischen Wirtshaus“ als Bürger aufgenommen. 1758 legen Franz Turtltauben, und 1761 Johann Kumer, beide als Wirte auf dem „Hicklischen Wirtshaus“, Friesacher Vorstadt bezeichnet,  ihren Bürgereid ab.

1780 folgt Josef Herzele, von dem gesagt wird, dass er die Kumer´sche Witwe geehelicht und alle ihre Schulden übernommen habe. Bei gleichbleibender Adresse, nämlich Friesacher Vorstadt 6, ist erstmals bei Kumer anzunehmen, dass er Eigentümer und nicht nur Pächter  war.

1791 erfolgt die Bürgeraufnahme des Franz Xaver Mayr „Sternwirt“ in der Friesacher Vorstadt 6  und 7. Er kam aus der Stadt Salzburg und er war es auch, der den neuen Wirtshausnamen prägte. Damit verbunden war sicher auch eine Vergrößerung, was aus den inzwischen zwei Hausnummern zählenden Besitz hervorgeht.

 1794 begegnet uns Joseph Landfraß als Bürger und „Sternwirt“ Dieser stammte aus der Kreuzen, im Landgericht Paternion.

Der Katasterplan von 1828 zeigt leicht reduzierte Bauflächen, dafür an Stelle von Garten und Park nur mehr Wiese Planskizze II. Die Skizze lässt auch gut das bauliche Gedränge, sowie den winkeligen, teils überbauten Zugang zur Stadt vor dem Friesacher Tor erkennen.

Den nächsten Stern-Wirt kennen wir besser, weil im Jahre 1816 mit den in napoleonischen Wirren eingerissenen gewerberechtlichen Missständen aufgeräumt werden musste. Fast jeder zweite Hausbesitzer hatte sich die Jahre davor das Wirts-Recht angemaßt. Es musste wieder amtlich festgestellt werden, wer denn wirklich von alters her eine Berechtigung habe.  Unter andern wurde dabei einem Johann Pickl „Zum Stern“ das Recht zum Ausschank von Wein und Branntwein bestätigt. Mit hohen Strafen war bedroht, wer es fürderhin wagen sollte, verbotenerweise auszuschenken. Nebenbei sei vermerkt, dass auch der Wirt „Zum schwarzen Adler“ nur ein paar Häuser weiter, alte Rechte hatte, obendrein jedoch noch Steinbier feilbieten durfte. Auf Johann Pickl  folgten 1817 sein gleichnamiger Sohn und 1842 schließlich ein Michael Pickl. Bei Besitzüberschreibung hat der Stern die Hausnummer 212 und vom vorher allein gestandenen Sattlerhaus mit Nr. 213 wird gesagt, es sei bereits zusammengebaut mit Nr. 212 und mit dieser vereinigt. Das „Lusthaus“ von 1743 ist nicht erwähnt und jedenfalls ohne Hausnummer geblieben. Das ist ein Hinweis dafür, dass es sich damals bestenfalls um einen Pavillon und nicht um ein Wohnobjekt gehandelt hat.

Mit Einführung von Hausnummern 1743 wurde in Innenstadt und Vorstädten gesondert, jeweils von 1-x gezählt, in unserem Falle vom Tor stadtauswärts. 1828 kam die Nummerierung der Bau- und Grundflächen dazu. Während jetzt jedoch mit den Hausnummern nicht mehr zwischen Innenstadt und Vorstädten unterschieden, sondern gemeinsam von 1-x nummeriert wurde, liefen die Hausnummern der Friesacher Vorstadt verkehrt herum, also von außen nach innen. Immer wieder wurde neu durchgezählt, man hatte ja erst Hauslisten, keine realen fixen Nummernschilder und so kommt es bei heutigem Gebrauch notgedrungen zu Verwirrung und Unsicherheiten. Ein Abbruch da, ein Neubau dort oder eine beliebige Richtungsänderung des Zählenden führte unweigerlich dazu, dass ein und dasselbe Haus oft binnen weniger Jahre unter verschiedensten Nummern erscheint.

Interessant ist ein Umbauplan vom 27.1.1853 des Mathias Kerschbaumer, weil der Mann erst 1861 zusammen mit Johann Mayerhofer im Grundbuch aufscheint. Das erklärt sich vielleicht so, dass er die Umbaumaßnahmen in Angriff genommen hat als er noch nicht Eigentümer war und erst später einen zahlungskräftigen Partner gefunden hat. Das Bauprogramm war schon recht umfangreich. Nicht nur die Fassade wurde neu gestaltet, die Eingangstüre um zwei Achsen Richtung Stadt verschoben und die Fenster vergrößert. Vor allem im Innenausbau wurde viel geändert. Im Erdgeschoß links und rechts des neuen Mittelganges entstanden durch Mauerdurchbrüche größere Gasträume. Küche und Stiegenhaus kamen neu hinzu. Im Obergeschoß, welches offenbar seit dem Zusammenschluss der zwei Häuser schon vorhanden, aber nur zum Teil ausgebaut war, entstanden der erste Saal und eine Wohnung für die Wirtsleute, hofseitig zu ebener Erde und darüber je zwei Klosetts.

Der erhoffte, bessere Geschäftsgang dürfte nicht eingetreten sein. Die Zeiten waren schlecht. Um 1848 kurz gehegte Freiheitshoffnungen erfüllten sich nur für wenig und auch dort nur teilweis. Das Bürgertum wurde jedenfalls enttäuscht, denn die Gemeindeautonomie hatte man in St. Veit immer schon. Die neue Bevormundung durch Staatsbehörden (Metternich) hingegen war neu und drückend. Hinzu kamen die krisenhaften Erscheinungen in Italien, die belastenden Einquartierungen und Durchmärsche. Kurz und gut, 1877 brachte einen jungen Wirt, indem Kerschbaumer an seinen unehelichen Sohn Markus Knappitsch übergab. Dieser hatte nicht geringe Schulden und einige Auszuglasten zu übernehmen. Es dauerte nur zwei Jahre und schon gingen „Gasthof samt Garten, Sälen (Mehrzahl!?) und Stallung“ um 12.000 Gulden auf Firma Gebrüder Ledl, Handlung in Klagenfurt über. Der Geldgeber musste offensichtlich zur Rettung seiner Forderungen kaufen, als Wirt kam er nicht in Frage. Was sich von 1879 bis 1882 beim Stern getan hat ist unklar. Immerhin übernahm jetzt die Stadt selbst den Stern. Die Motive der Stadt waren zuerst unklar. Ein altes Konzept-Buch aus der Bürgermeisterzeit von Dr. Spöck, überliefert von Frau Paula Zechner, Tochter des Josef Pucher (1895-1974) Oberlehrer, Rilke-Forscher und großer Förderer der Anthroposophischen Gesellschaft in Kärnten bzw. Enkelin des Franz Pucher (1861-1909) Städtischer Wachtmeister in St.Veit,  vermag darüber einiges auszusagen.

Aus alten Gemeinde-Protokollen

Besagtes Konzept-Buch ist zwar – wie bei schnellen Mitschriften nicht anders zu erwarten – sehr flüchtig geschrieben und äußerst schwierig zu lesen, gibt aber nichts desto weniger wertvolle Aufschlüsse zum Gegenstande. So ist zu vernehmen, dass im Jahre 1881 der Stadt die Pflicht auferlegt wurde, außer der ständigen Garnison einer Cavallerie Escadron , zusätzlich noch eine zweite Escadron einzuquartieren. Eine österreichische Reiterescadron zählte damals mindestens 100 Pferde und die dazugehörige Mannschaft. Um eine so große Unterbringung zu ermöglichen, wurde damals die Stern-Realität in der Friesacher Vorstadt Nr. 5 und 6 zuerst angemietet und gleich darauf im Exekutionswege um Gesamtkosten von 13.000 Gulden erworben. Um diesen großen Kauf zu bewältigen, musste mit Genehmigung des Landesausschusses, heute würden wir Landesregierung dazu sagen, ein Kapital von rund 14.000 Gulden zu 4% Zinsen bei der örtlichen Stadtsparkasse aufgenommen werden.

Im Jahr 1903 wird protokolliert: „Die Stern-Realität, welche  n i c h t  dem Stammgute der Gemeinde einbezogen werden konnte, wurde später um jährlich 650 Gulden verpachtet. Heute (d.h.1903) wirft dieselbe samt Mietzins ein Bruttoerträgnis von 2.230 Kronen ab. Dieser Betrag reiche aber kaum für Kapitalzinsen, Steuern und Umlagen bzw. für bei solch alten Gebäuden immer höher sich belaufende Reparaturen. Der Ertrag mache gerade noch 2% jährlich aus. Es wurde daher schon seit Jahren auf eine günstige Gelegenheit zur Abstoßung des Anwesens gewartet und mit einstimmigen Beschluss vom 7. Juni 1903 entschieden, dass die Realität um 40.000 Kronen zu haben sei und die Gemeinde noch einen schönen Gewinn erzielt“.

Ein dagegen eingebrachter Rekurs zwang die Gemeinde zur Rechtfertigung vor der übergeordneten Stelle. Dort steht: „Seit Freiwerden des Besitzes von der Escadron war trotz wiederholter Ausschreibungen lange Zeit kein passender, kapitalkräftiger Käufer zu erlangen. Im Jahre 1892 bot Herr Mayerzedt nur15.000 Gulden. 1896 wurde der „Stern“  der Brauerei Reininghaus um 25.000 Gulden angetragen, das Angebot aber als zu teuer abgelehnt. Mit Rücksicht auf die von Jahr zu Jahr sich mehrenden Reparaturen und das minimale Erträgnis wurde bei jeder Gelegenheit, bei der die Sache zur Sprache kam, in- und außerhalb des Gemeindeausschusses der Verkauf verlangt und war es gerade der jetzt Rekursführende, welcher für die Abstoßung immer eingetreten ist!“

„Zum Verkaufe an Herrn Mayerzedt war der Umstand ganz besonders bestimmend, dass der Genannte als langjähriger Pächter gut eingeführt, seine Frau eine vorzügliche Köchin und so die Gewähr geboten ist, dass der Stadt ein guter Wirt mit guter Küche erhalten bleibt. Herr Mayerzedt wird auch sofort nach Rechtskraft des Kaufvertrages bedeutende Umbauten vornehmen, die ihn ein schweres Geld kosten werden, wodurch aber das alte Gasthaus in  ein modernes Hotel  umgestaltet wird. Dass diese Umwandlung im Interesse der Stadt und ganz besonders geeignet ist, den  Fremdenverkehr  (St. Veit war noch ohne direkten Bahnanschluss!) und den Zuzug der Fremden und Sommerfrischler nach St. Veit zu heben, kann auch nicht unerwähnt bleiben. Dass die gegen den Verkauf an Herrn Mayerzedt künstlich hervorgerufene Erregung wohl nur einem sehr kleinen Kreis und aus persönlichen Motiven entspringt ist ganz zweifellos und auch kein Geheimnis“.

„Jedes einsichtsvolle Gemeindemitglied ist mit diesem Kaufabschlusse einverstanden. Dass die Realität samt dem Sitzgarten zum Hotelbetrieb erhalten und gewidmet bleibt, ist Vertragsbedingung und wird grundbücherlich sichergestellt.“

„Anfechtungen und Rekurse sind gänzlich hinfällig, weil der Platz für ein Krankenhaus (!) (Sieht nach einer vorgeschützten, angeblich besseren, aber ziemlich krausen Verwendungsabsicht aus, Anmerkung des Verfassers) nicht geeignet sei. Beim heutigen Geschäftsgange und dem Zustand der Gebäude kein Mensch  mehr zu zahlen imstande ist. Ein Kaufschilling von 60.000 Kronen wäre ja wohl ideal schön, aber niemals erreichbar – namentlich bei Beschränkung des Käufers in der Verwendung des Platzes.“

Josef Mayerzedt war ein Oberösterreicher, am 4.10.1857 in Eferding geboren. Er dürfte weit in der Welt herumgekommen sein. Seine Ehefrau Barbara geborene Burger stammte aus Ochsenfurt in Bayern. Sie war nur um ein Jahr jünger als ihr Mann. Von den insgesamt acht ehelichen Kindern, alles Mädchen, kamen die ersten fünf zwischen 1886 und 1892 in St.Georgen am Längsee, die restlichen drei 1893, 1897 und 1898 in St.Veit/Glan zur Welt.

Das Pachtverhältnis des Mayerzedt beim „Stern“ hat somit zu Anfang des Jahres 1893 begonnen.  Von da an gab es im Stern ein bis dahin ungeahntes und später nie wieder erreichtes kulturelles und gesellschaftliches Geschehen. Federführend war dabei  der Männergesangsverein St. Veit, mit seinen Kränzchen, Liedertafeln, Konzerten und Theateraufführungen. Anspruchsvolle Darbietungen verraten die erhalten gebliebenen Programme. Die schöne und hoch talentierte Otti Knaus brillierte in jeder Hinsicht und feierte große Erfolge. Auch der Eisenbahner Gesangsverein ist in diesem Zusammenhang unbedingt zu nennen.

Baumaßnahmen um die Jahrhundertwende

Die räumliche Situation zu jener Zeit geht aus Planskizze III hervor. Hofgebäude erscheinen neu. Anstelle des quer gestellten Holzbaues finden wir jetzt einen größeren, längsgerichteten Massivbau mit gewölbtem Erdgeschoß, dazu zwei kleinere Gebäude, das eine aus Holz und alleinstehend, das andere massiv und in der Flucht der Grundstücksgrenze. Planskizze IV hingegen zeigt bereits den Saalbau von 1905. Zum schon bekannten Hofgebäude kommt erstmalig eine gedeckte Kegelbahn. Man kann sich beim Stern also mittlerweile auch für eine Kegelpartie verabreden. Die Parzelle Nr. 68 ist bereits geteilt.

Schon die Ahnung eines kommenden großen Krieges wirkte dämpfend auf Gemüt und Lebensfreude. Beim Stern litt das Geschäft und Mayerzedt geriet in größte finanzielle Schwierigkeiten. Ein Konkurs zwang die Sparkasse der Stadt als Hauptgläubigerin, die Sternwirt Realität, welche damals noch eine Einheit bildete, 1914 zu ersteigern. Niemand sonst wollte sich das zu  dieser Zeit antun. 

Mit Kaufvertrag vom 5.2.1918 erwirbt Karl von Schreibern aus Köstenberg ob Velden das Hotel mit allem drum herum.  Am 9.3.1926 schließt Schreibern nach langer Durststrecke mit Viktor Leitgeb, vlg. Stefale in der Leiten einen Kaufvertrag. Leitgeb war möglicherweise nicht gern Bauer im Wimitzgraben, aber ganz und gar kein städtischer Wirt. Ende 1930 ist er schon gezwungen, alles den Eheleuten Rochus und Luisa Fössl zu verkaufen, welche bis 1939 als Wirte auf dem Besitz bleiben.

1939 tritt Hans Carl Schimitzek als Käufer auf. Kriegs- und Nachkriegsjahre gaben ihm wenig Gelegenheit, als Hotelier besonders erfolgreich zu sein. Auch an Bau- und Verbesserungsmaßnahmen  war in jener Zeit nicht zu denken. Die Partei hatte jetzt in allem das Sagen. Abgesehen von fallweisen, dem Ende zu immer selteneren Veranstaltungen der NSDAP – auch Musterungen wurden dort abgehalten – war im „Stern“ zur Kriegszeit geschäftlich wenig los. Dafür sollen dann anschließend bald die Engländer als Besatzungsmacht und mit ehemaligen deutschen Landsern als Musikern um so schwungvollere Tanzfeste im Sternsaal abgehalten haben.

Englische Besatzer in St. Veit

H.C. Schimetzek ließ nach dem Krieg im Hof einen großen Garagentrakt entstehen, was immerhin ein gewisses Ansteigen von motorisierten Gästen voraussetzt. Weil aber Schimetzek den Tischler für die Garagentore nicht zahlen wollte oder konnte, erhielt 1949 der Tischlermeister G. Thomaschitz dafür  die ehemalige Beschäl-Station, die von 1928-1942 Mechanische Werkstätte des Karl Zygartowski und danach noch bis 1945 Autoreparaturwerkstätte der Deutschen Wehrmacht, schließlich aber auch noch eine Zeitlang Arbeitsstätte der Molkerei war (heute Familie Kriegl, Friesacher Straße 5).

Vom 9.12.1949 datiert ein Bauplan des Architekt Troyer, wonach erstmals straßenseitige Geschäftslokale ausgebaut werden sollen und zwar beginnend an der Südecke das Textilgeschäft Stefflbauer-Krauzer (Amazone), vom Haupteingang anschließend die Wohnung des Lohndieners Alex und 6 weitere kleine Geschäftslokale. Ohne Anspruch auf Vollzähligkeit und richtige Reihenfolge waren dies: Drogerie Maier, Haslinger Hüte, Sorgner Optik, Neuberger Lebensmittel, Zürich-Kosmos Versicherung, und Gautsch Papierwaren. Der Innenausbau mit Extrazimmer, Gastzimmer, Küche, Sanitär, Stiegenhaus, sowie die Maßnahmen im Obergeschoß mit großem und kleinem Saal, Rosenzimmer und einigen Fremdenzimmern sind vermutlich nur noch zum Teil  von Schimetzek.

Von Februar 1951 bis 1954 lag Besitzgemeinschaft zwischen Martin und Maria Auer vor. Sonst war über diese drei Jahre nichts zu erfahren. Die baulichen Verhältnisse dieser Zeit sind aus Planskizze V zu ersehen. Die Kegelbahn ist längst wieder abgetragen, der den Hof auf zwei Seiten umschließende Garagentrakt hingegen wird fast 50 Jahre bestehen bleiben. Außerdem gibt es jetzt eine Vierteilung der einstigen Stammparzelle 68. Die einstige Baufläche 224/1 geht endgültig in 224/2 auf.

Die Arbeiterkammer zieht ein

Mit Kaufvertrag 15.3.1954 tritt ein potenter neuer Eigentümer auf den Plan und wird die Geschicke des „Stern“  für die nächsten 40 Jahre maßgeblich bestimmen. Kein Inhaber zuvor hat hier  je so große Baumaßnahmen gesetzt. Weil die sozialistische Arbeitervertretung von St. Veit ihr einstiges Arbeiterheim der Zwischenkriegszeit an der Klagenfurter Straße Ecke Lastenstraße zunächst durch den Ständestaat, dann endgültig durch Fliegerbomben verloren hatte, die provisorische Unterbringung im Panger Haus in der Friesacher Straße schon längst aus allen Nähten platzte, erblickte man im Ankauf der Stern Realität, eine günstige Gelegenheit, sich in günstiger Lage den nötigen Platz zu schaffen.

Sogleich wurde ein großer Teil zwischen Stern-Saal und dem ältesten, dem nördlichen Trakt gänzlich abgetragen und der Haupteingang in nördlicher Richtung verschoben. Die Gesamtfront wurde auf drei Geschoßhöhen gebracht. Innenumbauten fielen dementsprechend umfangreich aus. Im zweiten Obergeschoß zogen Arbeiterkammer und ÖGB ein, während im dritten OG die Kärntner Gebietskrankenkasse und das Arbeitsamt untergebracht werden konnten. Im Erdgeschoß entstand durch Geschäftsauflassung ein Cafe, welches 1958 noch eine Erweiterung erfuhr.  Hotel, Restaurant und Cafe wurden bis 1971 von der Arbeiterkammer mit einem Geschäftsführer in Eigenregie betrieben, danach verpachtet. Die neue Adresse für Veranstaltungen jeglicher Art lautete nun „Volksheim St. Veit“. Bald, insbesondere  zur Faschingszeit, sind die Stern Säle sehr gefragt und hoch frequentiert. Es kommt nicht selten zu Terminkollisionen, denn Veranstalter,  wie Turnverein, der Atus, Parteien, Bauern usw., brauchen Räumlichkeiten. Das geht viele Jahre gut, bis die Kosten für Tanzmusik eines Tages den Vereinen nicht mehr erschwinglich erscheinen und wohl auch der große private Einsatz von Seiten der Vereine allmählich und  schließlich gänzlich nachlässt. Auch der Geschmack der nachkommenden Generationen ändert sich. Disko Besuche sind für die Jugend auf einmal viel interessanter als „steife“ Bälle.

Ein Denkmal für Elisabeth Zemrosser

Doch immer noch gibt es beim Stern eine gute Küche, und, was  wohl das Wichtigste war, eine findige, tüchtige, leutselige und arbeitsfreudige Wirtin, die selbst nie nach der Uhrzeit fragte. Elisabeth Zemrosser nannte man sie. Mit Stammgästen verstand sie eben so gut umzugehen, wie mit Omnibuslenkern oder Stadtpolitikern. Obzwar sich die Gegebenheiten stark veränderten und vor allem die modernen Reisebusse mit größeren Radius und moderner Ausstattung es nicht mehr nötig hatten, in St. Veit Zwischenstopps einzulegen, trotz alle dem fragt man sich, ob es nicht gescheiter gewesen wäre, die leidenschaftliche Wirtin an dieser Adresse weiterwirken zu lassen. Mit dem halben Investitionsaufwand von später hätte man vielleicht doppelt so viel für St. Veit bewirken können. Der weitere Fortgang war bislang kein berühmter. Man hätte den ganzen Stern ihr schenken müssen und sich dabei viel Geld und Ungemach erspart. Sie hat immerhin schon bewiesen gehabt, wie man so eine Wirtschaft führen muss.

Ein Presse-Spiegel

Man schreibt das Jahr 1971.  Noch einmal kauft die Gemeinde den Stern. Frau Zemrosser blieb zwar noch einige Zeit Pächterin, doch 1996 gab man ihr keinen neuen Vertrag mehr.

Stattdessen träumte man von einem Congress- & Seminarhotel.  Aus Träumen machte der Baulöwe Robert Rogner um viel Geld handfeste Tatsachen, materiell ja, doch das ideelle Ziel und der wirtschaftliche Erfolg werden nicht erreichtt. Es kam zur Gründung einer Hotel- & Immobilien Beteiligungsgesellschaft & CoKG, eine schwierige Konstruktion, der jedoch kein langes Leben beschieden war.

Adolf Winkler, Wirtschaftredakteur der Kleinen Zeitung sprach im Oktober 1997 mit Rogner. Frage, darf man Herrn Rogner zur Finanzierung des St. Veiter Fuchsbaus gratulieren? Antwort, gratulieren müssen Sie Bürgermeister Mock, dass es ihm gelungen ist, Prof. Ernst Fuchs für ein Projekt in St. Veit zu gewinnen. …. Das Geld wird die Stadt aus dem Cash-flow zur Gänze zurück bekommen. Das 60-Zimmer-Hotel zahle ich ja selber. 60 Millionen dafür muss ich zurückzahlen. (Originalton!)

Für 1998 wurden im Rogner-Hotel „Zodiac“ 16.000 Nächtigungen erwartet, Eröffnung im Mai mit dem Musical Sisi! (Stankt Veit Kommunal  7/97). Schon im Mai tritt eine Überschreitung der (ursprünglich  mit 130 Millionen öS geplanten) Baukosten um 5 Millionen öS zu Tage. Die Berliner Hypothekenbank fordert zur Sicherstellung der insgesamt 35 Millionen eine Eintragung im bisher unbelasteten Grundbuch (KlZ 17.4.).  Noch einmal Winkler und Rogner: „wie finanziert wird: 30 Mille Rogner Eigenkapital (gemeint Eigenleistung?), 30 Mille (endgültig 35 Mille) Rogner Kredit in Berlin,   70 Mille Rogner zinsenloses Darlehen der  Stadtgemeinde, beide von Rogner rückzuzahlen. Schlagzeile KEIN KWF GELD? D.h. keine Zuwendung seitens des Landes Kärnten! Rogner: „Eine Förderung mindert (eigentlich: würde mindern) den Kapitaleinsatz der Stadt St. Veit. Ich selbst kriege sowieso null“ Heißt das, Rogner würde alle Kredite und Darlehen tilgen, egal ob mit oder ohne Landesförderung? Das wohl nicht! Hat Rogner jemals etwas zurück gezahlt, in irgendeine Richtung? Denn inzwischen gibt es eine neue Konstruktion, man hört von der Rogner-Dorint-Gruppe. Was steht in den neuen Verträgen?  Ein Kontrollausschuss wird gefordert und von der Mehrheit für nicht notwendig erachtet (KlZ 6.6.).

Kein Trampelpfad zu Sisi. Aufmacher der Kulturseite Kleine Zeitung 2.9.1998

Uwe Sommersguter, von Kärntner Woche spricht mit Mock, Ausgabe 11-17.Nov.1998 über die Finanzierung für „Zodiac“. Lesenswert,  jedoch nicht leicht durchschaubar!

Kleine Zeitung 18.8.1999 „Neues Konzept für „Zodiac“ die Auslastung beträgt nur 50%.

Detto 19.8.1999 „Zodiac“-Wirtschaftslage ist selbst für mitfinanzierende Gemeinde undurchsichtig.

Krone 14.11.2002 Neustart für den Fuchspalast, Küche ist kalt, Kaffee-Bar geschlossen.

Krone 28.11.2006 St. Veit will „Fuchspalast“ Bürgermeister Gerhard Mock ist heilfroh….“

Kleine Zeitung 28.11.2006 E. Tschernitz  „Alarmglockern.  „Robert Rogner ist ein alter Fuchs…..“ und „Rogner zahlt das Darlehen erst zurück, wenn sich der wirtschaftliche Erfolg einstellt. Pech (für die öffentliche Hand) wenn er es nicht tut.“

Detto Seite 15 Darlehen im Andromeda-Nebel. Auch für den Fuchspalast in St. Veit bekam Rogner ein Millionen-Darlehen. Bisher floss kein Cent an die Stadt zurück. Jetzt überlegt sie eine Übernahme.

Krone 8.6.2007 Zwei Millionen Euro Kosten, Die Gemeinde St. Veit kauft von Rogner das Hotel „Fuchspalast“  – „Vienna International“ übernimmt die Geschäftsführung. Darlehensrückzahlung aus Einnahmen.

Kleine Zeitung 20.10.2010 Holding kündigt 17 Hotel-Mitarbeiter. Hotelbetrieb eingestellt. Cafe bleibt.

Detto 23.10.2011 St. Veit   „Der glücklose Palast“

Detto 7.9.2012 St. Veit   „Automatisch“ besser entspannt“  St. Veit ist mit der Auslastung des  Automatenhotels „Fuchspalast“ in den ersten drei Monaten zufrieden.

Mit solch hoffnungsfrohen Aussichten sei der Report von einem bislang über 300 Jahre währenden unternehmerischen Geschehen beim Sternwirt vorläufig abgeschlossen.

Walter Wohlfahrt   in Landsmannschaft Doppel-Heft Okt. 1998 und 2002 aktualisiert im September 2012 mit Pressespiegel ergänzt.

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Villacher Vorstadt

August 21, 2011 um 17:49 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Aus Kataster von 1829

„Vom Eise befreit sind Glan und Bäche……“ Wir schreiben das Jahr 1871 und wir unternehmen an Hand der abgebildeten, zeitgleichen Karte einen Osterspaziergang. Das Villacher Tor steht zwar nicht mehr, wohl aber die enge und überbaute Barbakane davor, mit dem „Sporer-Gewölbe“. Schlosser, Kupferschmied sowie ein Lederer sind hier eng beisammen Hausherren Domenig-Gasse. Das Woschitzhaus (Mitte Oktoberplatz – demoliert) mit einer Spenglerei versperrt uns Aussicht und geraden Weg. Wir müssen uns entscheiden, gehen wir rechts der Waage und der ehemaligen Eisentratte zu, oder wenden wir uns nach Süd-Westen. Wir wollen letzteres und müssen zwischen zwei Möglichkeiten wählen, entweder rechts oder links am Bürgerspital vorbei. Rechts hätten wir die obere und neuere, links die untere, die ältere Ausfahrt. Wir bleiben am älteren Weg und stoßen auf das Weberitsch Haus. Der junge Sebastian soll uns führen! Vielleicht begegnen wir mit ihm dem einen oder anderen seiner guten Freunde, den Hantierern? Vater Weberitsch, Vizebürgermeister, Spitalmeister, Kommandant der Trabantengarde usw. betreibt eine gut gehende Backstube. Es duftet dementsprechend aus dem Hause. Hinten im Klostergarten des Mathias Grawein hat sich Freiherr von Wucherer eingemietet, ein berühmter Büchsenmeister, der sich allerdings für feineres Zubehör des Zeugschmiedes Tindl bedient.

Gerade als wir an der Klosterkirche vorbeikommen und links unten den Zeneggenhof erblicken, schlagen im Turm die Osterglocken an. Ihr Klang vereint sich bald mit dem schönen Geläute das von der Stadtpfarrkirche herüber tönt. In diesem Augenblick melden sich die ersten Böller vom Kalvarienberg. Johann Mlinek, Trattentischler (Waag Str.2), Pionier des St.Veiter Hopfenanbaus und Feuerwerker sendet seine unüberhörbaren Grüße. Selbst Wachmann Fenz, der uns ein kurzes Stück das Geleit gibt, wird von festlicher Stimmung erfaßt. Er verabschiedet sich, um die gefahrvolle Schießerei zu inspizieren. Bald sind die letzten Häuser hinter uns. Vorbei am Schwarzfurter Kreuz erreichen wir schließlich den Wendepunkt beim Reidenwirt, dem alten Räubernest des Krapfenbäck Simale. Dort zweigt  die Straße nach Hörzendorf ab und dort werkt auch ein fleißiger Körbler. Die von ihm gepflanzten und genutzten Kopfweiden werden noch über hundert Jahre lang zu sehen sein. Am Rückweg erblicken wir hoch über uns auf grünen Hängen den Pueller-Hof und bald auch schon den zweiten Pulverturm. Genau zwischen demselben und dem Pueller stand der Pulverturm 1, bis er in die Luft flog. Beim Pulverturm 2 gibt es noch ein paar dazugehörige Nebengebäude, sonst aber kein einziges Haus. Es wäre viel zu gefährlich, dort zu wohnen. Dieser gefährliche Patron wird die Ausdehnung der Vorstadt noch lange hemmen.

Die Robitsch-Keusche (demoliert – heute Spar) sowie der Wirt Georg Weitzer ( Gasthaus und Kino Jäger) liegen dem Pulverturm am nächsten und ihre Bewohner sind die Mutigsten.

Ehe wir ab Brückenwirt eine einigermaßen geschlossene Verbauung vorfinden, enbietet uns und seinem jungen Freund Sebastian Meister Johann Tindl (heute Schlecker) im Vorübergehen seinen Gruß. Das Bürgerspital rechts, kommen wir zur Häuserzeile mit dem Gasthaus Zum Mondschein des Jakob Kobalter (Vill.Str.16),  gerade erst von Josef Preschern  abgekauft. Dieses Gasthaus hieß einmal „Zum Bothenwirt“, weil hier die aus Villach und Feldkirchen, aber auch aus Klagenfurt über Pörtschach am Berg gekommen Boten erwartet und gelabt worden sind. Auf engstem Raum folgen jetzt zwei weitere Wirtshäuser, das des Josef Huber (Vill.Str.8) und das Gasthaus „Zum grünen Baum“ von Karl und Therese Egger.

Von den insgesamt 58 Hausnummern der Villacher Vorstadt haben wir nicht einmal halb so viele gesehen. Die größere Zahl liegt in und um die Erlgasse. Doch das ist eine andere Geschichte.                                IV/2005

Wehrturm des Villacher-Tores und Vorwerk

August 1, 2011 um 13:29 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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 Unser Verschönerungsverein (Obmann H. Meckel) ist unermüdlich tätig. Unterstützt von Kulturabteilung und Bauamt der Stadtgemeinde schuf er in jüngerer Zeit kunstvolle Erinnerungstafeln in Form von Marmorreliefs und angeschlossene Texte und brachte diese überall dort zur Aufstellung, wo einstens die vier Stadttore waren. Ein aktueller Anlaß erforderte die genauere Betrachtung der Situation am Villacher Tor. Dabei zeigte sich, daß 1890 als das in der Literatur stets genannte Jahr des Abbruchs, schlicht und einfach falsch ist.

 Erstmals begegnet diese irrige Jahrzahl in der Gedenkschrift des Kriegervereines (1898, Seite 6). Alle späteren Autoren, wie etwa Karl Ginhart, der große Kunsthistoriker in „Die Stadt St. Veit“ von Norbert Rainer (1927, Seite 12), dann in „Die Kunstdenkmäler des Bezirkes“ (1931, Seite 25) und in Carinthia I (1961, Seite 842) haben den Fehler fortgeschleppt. Selbst die übereinstimmende Angabe im Dehio und bei Andreas Besold „St.Veit an der Glan“ (1997, Seite 79), die da lautet, „die vier Stadttore wurden zwischen 1851 und 1890 abgetragen“ ist nicht länger zu halten. Lediglich auf Norbert Rainer (1927, Seite 85) und auf Johann Spöcks „Bericht 1890 bis 1912“ (Sept.1912, Seite 54) ist diesbezüglich, wenn auch nur beschränkt Verlaß. Norbert Rainer spricht ausdrücklich „vom Rest des Villacher Tores….der 1890 zu Fall kam“ und meint damit das Vorwerk, während Spöck ganz eindeutig jene Häuser nennt, die sich im Laufe der Zeit im Vorwerk eingenistet haben und die von der Gemeinde entweder gänzlich oder zum Teil zwecks Abbruch und Straßenerweiterung mit Kaufvertrag de dato 1890 erworben worden sind. Es waren dies das Haus des Ledermachers Josef Breschan und jenes der Erben nach Kupferschmied Josef Premitzer, beide Liegenschaften zur Villacher Vorstadt zählend.

 Mit der angeführten Jahrzahl 1890 kann also in keiner Weise der abgebildete Torturm, sondern einzig und allein dessen Vorwerk, die sogenannte Barbakane1) gemeint sein. Wie konnte ein solcher Irrtum überhaupt entstehen und sich so lange halten? Ganz einfach!

Irgendwann einmal vor 1890 entstand eine Zeichnung, die als Karte „Villacher Tor“ viel Verbreitung fand und die 1934 sogar in Farbe nachgemalt worden ist! Man beachte dabei im rechten Bildteil die heute noch existierende Stadtmauer (Sabitzer). Vom Villacher Torturm ist nichts zu sehen! Er müßte ja laut Merian die Stadtmauer ums Doppelte überragen! Leider wissen Kunstgelehrte wenig von den Eigenheiten einer exakten Grundbuch- und Katasterführung. Doch genau dort liegt der Schlüssel für unser Problem.

 Ich behaupte einmal, daß der Villacher Torturm schon nicht mehr existierte als 1869 das Friesacher Tor abgetragen wurde und trete auch gleich den Beweis dafür an. Ein Blick in das Grundbuch, genauer gesagt in zwei Grundbücher ist hilfreich dabei! Um 1871 wurde nämlich das alte Grundbuch der „Kammerstadt St. Veit 1743 ff“ (Landesarchiv Handschriften Signatur 157) geschlossen und das moderne Grundbuch eingeführt. Während zuvor die „Hausnummer 111 Villacher Torturm“   g e l ö s c h t  erscheint, kommt die dazu gehörige Baufläche 115 im neuen Grundbuch erst gar nicht mehr vor. Zwischen BH mit Baufläche 116 und dem gegenüber liegenden Hause, heute Dr. Domenigstraße 1, Baufläche 114, fehlt die Baufläche 115 genau an jener Stelle, wo einst das Tor gestanden hat. Die oben zitierten Häuser der Barbakane sind hingegen im alten Stadtplan zeitgleich alle auszumachen. Zwei weitere Indizien gefällig? Wenn man schon 1869 das Friesacher Tor niedergelegt hat, um die Durchfahrt für größer und zahlreicher gewordene Fuhrwerke zu erleichtern, warum nicht auch das gegenüber liegende Villacher Tor? Warum existiert eine alte fotografische Aufnahme vom Friesacher Tor, aber keine von seinem Gegenüberr? Letzter Beweis: Markus Pernhart schuf knapp nacheinander zwei Stadtansichten von Osten her, eine ohne Eisenbahn und mit Villacher und  Friesacher Torturm, die spätere mit Eisenbahn, mit Friesacher Torturm (!) aber ohne Villacher Torturm! Der Bau der Kronprinz Rudolf Bahn erfolgte bekanntlich 1867/68.

 Mit etwas Glück ließe sich vielleicht im Kärntner Landesarchiv das Jahr des Abbruches ganz  genau feststellen. Für heute nur so viel: In der Reihenfolge seiner ursprünglichen Verwendung war dieser Turm wie alle anderen fix mit drei „W“ verbunden, mit Wache – Wehr – Wohnung. Mein Textvorschlag für die neue Zusatztafel lautet daher: DIE JAHRZAHL 1890 BEZIEHT SICH NUR AUF DAS EINSTIGE VORWERK. DER HIER GEZEIGTE WACH- WEHR- UND WOHNTURM KAM SCHON MEHR ALS 20 JAHRE FRÜHER UNTER DIE SPITZHACKE:                

Walter Wohlfahrt in „Zentrum Kärnten“     II/2008

1) kleiner, dem Hauptturm vorgelagerter Zwinger

Friesacher Vorstadt

Februar 11, 2011 um 17:05 | Veröffentlicht in St.Veit | Kommentare deaktiviert für Friesacher Vorstadt
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Ausschnitt Kataster 1828 - Friesacher Vorstadt

 Ausschnitt Kataster 1828 – Friesacher Vorstadt incl. Veränderungen bis ca 1875

Als man um 1878 das neue, das moderne Grundbuch schuf, begnügte man sich nicht damit, den Katasterplan (Abbildung) unter Berücksichtigung aller Veränderungen seit 1828 neu zu zeichnen, man numerierte auch die bewohnten Häuser neu durch. Marienhof, Kölnhof und Ranftlhof mit eingeschlossen, zählte man in der Friesacher Vorstadt nur 16 Hausnummern. Ein einziger Blick auf die Bauparzellennummern (Wohn-  u n d  Nebengebäude) lehrt uns, daß in den zwischenliegenden 50 Jahren 14 alte Bauparzellen demoliert oder überbaut worden, jedenfalls verschwunden sind. 

Ähnlich der einstigen Lage vor dem Villachertor, befand sich auch hier eine sogenannte Barbakane, d.h. ein sehr enger, mitunter sogar überbauter, vor allem aber kurviger Zugang, der es den Belagerungsmaschinen und vor allem den gewaltigen Brellböcken erschweren sollte, das geschlossene Friesacher Tor mit voller Wucht zu treffen. Ein Fleischhauer, ein Maurer, ein Sattler und einige Kleinhäusler wohnten dort eng beisammen, ehe die Spitzhacke tätig wurde.

Vom heutigen Schillerplatz – wo noch deutlich der alte Standort des Nepomuk erkennbar ist – gehen wir im Geiste den linken, noch gar nicht vorhandenen Gehsteig stadtauswärts und sehen uns die gegenüberliegende Straßenseite etwas genauer an. An Stelle der schönen Volksschule (1892) ist noch alles grün, also Wiesen und Äcker. Die ersten Häuser sehen wir, wo heute eine Fahrschule besteht, und es waren dies Pfarrhofkeusche und der Pfarrhofstadel. Die landwirtschaftlichen Flächen gehörten zur Pfarrkirche und sie hießen dort „bei den Siechen“, ein Hinweis darauf, daß man einst die ganz armen Siechen und Kranken bewußt außerhalb der Stadt an einem abgesonderten Ort untergebracht hat, um die Ansteckungsgefahr gering zu halten. Bürgerliche und deren Anverwandte fanden allerdings anderenorts, im Bürgerspital, Aufnahme.

Heute wie damals macht der prächtige Mailänderhof Eindruck. Gleiches gilt für seinen Fenstergucker, der uns von hoch oben unterm Dach anblickt. Hier war das Wirtshaus zum Schwarzen Adler und Mailänder hießen seine Begründer, ein Bauerngeschlecht mit vermutlich lombardischen Wurzeln. In diesem Gasthaus hat man im 18. Jhdt zwei ungarische Juden festgenommen, weil sie sich in verdächtiger Weise mit in Garnison liegenden Husaren unterhalten haben……. Wo man anschließend über zwei Generationen und bis in jüngste Zeit gute Limonaden erzeugt und vertrieben hat, war ursprünglich der Kleinviehstall des Mailänder. Noch eine kleine Keusche und dann gibt es nur noch freies Feld, Thonfeld genannt, vermutlich weil es dort ein kleines, günstig und nahegelegenes Lehmvorkommen gegeben hat. Man mußte ja damals seine Herde und Öfen noch weitestgehend eigenhändig ausbessern. Wir gehen unverdrossen weiter, am Friesacher Kreuz vorbei, sehen aber weder Bahn noch Tankstelle, bestenfalls genießen wir einen freien Blick über das Weyerfeld bis zum gleichnamigen Schloß. Beim Mauthaus, dort wo jetzt die Lemisch Straße einmündet, sehen wir gegenüber die Schönmühle, ein viel begehrter und ertragreicher Standort zum Mehl mahlen und Bretter schneiden an der Wimitz.

Hier übersetzen wir die Reichsstraße und gehen den anderen „Gehsteig“ zurück, wieder der Stadt zu. Nach der Kölnhofallee beginnen schon des Mailänder Felder und direkt an der Straße sehen wir  wiederum im Geiste sein Wirtschaftsgebäude, heute Wohnhaus. Kelag, altes Gendarmeriequartier und Beamtenwohnhaus davor, bitte alles wegdenken. Über Sport- und Tennisplätze gehen noch die Kühe oder der Pflug. Turnerheim und Parkhaus wird es noch lange nicht geben, wohl aber den Sternwirt, einstens „Hiklisches Wirtshaus“ heute Hotel Fuchspalast genannt. Vielleicht sollten wir eben da eine Pause einlegen, denn unser Weg ist am Ende.     II/2005  

  Dies ist ein Kartenausschnitt von Sartor um 1748. Er zeigt den Osten der Stadt von Nord nach Süd gesehen. Teile der Altstadt erscheinen deshalb rechts im Bild.                                                                                                         

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