120 Jahre Stadtmuseum

April 7, 2012 um 16:50 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Am 18. August begeht das St.Veiter Stadtmuseum sein 120 Jahr Jubiläum.  Im Vorwort des 13 Seiten starken Museumführers von 1903 wird dieser Tag – es war des alten Kaisers 56. Geburtstag – ausdrücklich genannt. Der Katalog nennt 288 Exponate.

Weiter heißt es dort, das Stadtmuseum verdankt sein Bestehen dem regen Sammeleifer der Herren Fritz Knaus, Anton Korpitsch und Karl Sailer, welche alle in St.Veit erreichbaren Altertümer zu einer Sammlung vereinigten“. Die Kaufleute Knaus und Korpitsch waren nicht nur Gemeindemandatare, sondern auch sonst Leute von Einfluß in der Stadt. Damit ist auch die große Nähe zum Museum, einerseits von der Stadtgemeinde und anderseits von Seiten der Stadtsparkasse (heute Kärntner Sparkasse), die namhafte Neuerwerbungen finanziert hat, erklärt. Franz Sailer, Finanzwache-Kommissär i.R. fungierte als erster Kustos, nach seinem Ableben 1903 folgte in dieser Funktion Johann Hainzmann, Das erste Besucherbuch ist hoch  interessant. Es nennt unter den Gründern zusätzlich einen Gustav Hainzmann, pensionierter Hütten-Ingenieur und Technischer Direktor aus Mürzzuschlag. Das an den Buchanfang gestellte klassische Motto „Das Alte stürzt zusammen und neues Leben blüht aus den Ruinen“ könnte durchaus als politisches Programm gedeutet werden, denn es war unverkennbar ein freisinniger, ein liberaler Geist, der sich hier manifestierte. Sollte es für diese These eines weiteren Beweises bedürfen, dann wird dieser in wenigen Jahren nachgeliefert werden!

Die erste Bleibe hatte das Stadtmuseum, damals noch als Lokalmuseum bezeichnet, im sogenannten Alten Rathaus in der Bräuhausgasse. Zur Erinnerung, es ist dies die Rückseite des heutigen Rathauses. Weil der Platz dort von Anfang an äußerst knapp war, trachtete man bald eine geeignetere Räumlichkeit zu finden und kam auf die Idee,  die Kapelle des Bürgerspitals (heute „Prof. Franz Pacher Saal“) dafür ins Auge zu fassen. Gemäß Beschluß des liberalen Gemeindevorstandes vom 25.7.1887 trat man ganz formell an den Stadtpfarrer heran, man möge die Kapelle doch auflassen, da dort kaum noch Messen gehalten werden. Unterschrieben war dieses Begehren von Bürgermeister Dr. Franz Prettner, auch er eher ein Vertreter der klerikalkritischen Richtung. Die Sache zog sich hin und erst am 17.9.1889 erging von Seiten des Gurker Ordinariates eine förmliche Ablehnung mit der Begründung, erstens seien dort sehr wohl noch Messen, ja sogar uralte Stiftungsmessen eines gewissen Basayo zu halten und zweitens, wäre der Platz  beim  großem Sammeleifer ohnehin bald wieder zu eng. So mußte das Museum vorerst in der Bräuhausgasse bleiben. Im Jahre 1903 kam es zur Gründung eines (Museums-)Kuratoriums, bestehend aus den Herren Dr. Dinkhauser, Rechtsanwalt, N. Hainzmann, Fritz Knaus, Korpitsch, Mattersdorfer, Norbert Rainer und (Sebastian) Weberitsch. Gleichzeitig wurde der Umzug des Museums in das gemeindeeigene Gebäude in der Kaserngasse (heute Herzog Bernhard Platz) beschlossen und dort ebenfalls zu Kaisers  Geburtstag wieder eröffnet. Es folgten noch einige Friedens- darauf aber bald schwere Kriegs- und Nachkriegsjahre, ehe es am 10. Mai 1925 an der nämlichen Adresse zu einer förmlichen Wiedereröffnung kommen konnte. Jetzt war man voll neuen Schwunges. Die schweren und auch für das Museum „verlustreichen“ Jahre waren vorbei. Die Gemeindeverwaltung brauchte allerdings selbst immer mehr Platz im eigenen Haus in der Kaserngasse, jetzt bereits Klagenfurterstraße genannt, und das Museum sollte neuerlich  siedeln. Diesmal ließ man nicht mehr locker, bis die ohnedies mit schlimmeren Zeitumständen kämpfende Stadtpfarre die Kapelle im Bürgerspital schließlich doch frei gab. Am 18. Juli 1931 erhielt der Malermeister Rudolf Mayer den Auftrag der Stadtgemeinde zur Ausfärbelung der Kapelle zum offerierten Preis von 79 Schilling 70 Groschen! Doch erst im Jahr darauf, und zwar am 22. Mai ward die Museumseröffnung in der Spitalskapelle im Beisein von 40 Festgästen feierlich begangen. Als Kustos fungierte zu dieser Zeit bereits mit voller Tatkraft Lehrer Rudolf Niederl.                                                                   

Warum das Museum nach nur fünf Jahren, am 16. Mai 1937 in die Alte Herzogsburg übersiedelte, ist eigentlich nicht ganz einsichtig. Vielleicht hatte der alte Stadtpfarrer seinerzeit doch nicht ganz unrecht, wenn er meinte, der Platz würde dort ohnedies rasch wieder zu klein sein….. Bis zum neuesten Umbau verblieb dort das Trabantenmuseum.

Ist es wirklich so, daß sich in der Geschichte alles wiederholt? Nach wenigen Jahren des Friedens folgten neuerlich Kriegs- und Nachkriegsjahre, verbunden mit neuen Gefahren und Unsicherheiten für die musealen Bestände. Seit der Wiedereröffnung unter Bürgermeister Hubert Zankl am 16. April 1948 in der Burg vergingen fast sechs Jahrzehnte, ehe das 120 Jahre alt gewordene Stadtmuseum, heute einen neuen, einen würdigen und höchst ansprechenden man möchte sagen seinen richtigen Standort, am Hauptplatz gefunden hat. Als Kustos fungierte noch in den fünfziger Jahren Rudolf Niederl mit einem gleitenden Übergang auf Heinz Ellersdorfer.

 Erwähnenswert vielleicht auch einige Auszüge aus dem Besucherbuch, sind solche doch geeignet Schlaglichter auf die stark veränderten Zeitläufe zu werfen:

1) Am 28. Sept. 1889 erinnerte sich der Kärntnerische Forstverein seiner Gründung vor 17 Jahren hier in St.Veit und verband sein Gedenken mit einem Museumsbesuch. Es verewigten sich Karl Fercher als Vereinspräsident, Georg Storf aus Lölling als Vereinsekretär, Franz von Bürger, Forstmeister und Josef von Webern als k.k. Forstinspektor.

2) Am 31. Aug. 1929 führte Herr Schulrat Dir. Mattersdorfer, als vermuteter Kustos, 19 Mitglieder des Ingenieurvereines für Kärnten durch die Sammlungen.

3) Am 24.11.1929 gab es eine Dietwart- und Rednerschulung (!!) des Turnbezirkes St.Veit, verbunden mit  Museumsbesuch und folgenden eigenhändigen Unterschriften:

Dr. Norbert Rainer, Ing. Hans Boida, Dr. Friedrich Rainer, Franz Pegutter, Fridolin Peyker, Leo Knaus und Leo Höfferer, quasi ein Who is Who der frühen und noch keinesfalls verboten gewesenen NSDAP!

4) Mit dem Jahre 1938 ist der Besuch der Berliner Untergauführerinnen verbunden und

5) mit dem Jahre 1943 am 1. Mai der Besuch der Führerinnen und Arbeitsmaiden des RAD-Lagers Hunnenbrunn (RAD = Reichsarbeitsdienst) mit rund 30 Unterschriften.

 Bliebe abschließend nur zu wünschen, daß das schöne, jetzt mit dem interessanten Verkehrsmuseum unter einem Dach vereinigte Stadtmuseum noch vielen guten, vor allem   ungestörten Jahren entgegen geht und daß das Besucherinteresse weiter wächst. Eine Garantie dafür scheint zu sein, daß moderne Ausstellungsmaßstäbe gesetzt wurden und ein regelmäßiger Wechsel der Exponate schwerpunktmäßig geplant ist. „Glück auf“ der einst vom Eisenhandel stark geprägten Stadt und ihren Museen.                                                     VII/2006

 

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Stadtpfarrer Gabriel Lex (1826-1909)

März 31, 2012 um 18:01 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Alter Hochaltar der Stadtpfarrkirche

Der von Stadtpfarrer Dr. Fößl entfernte, alte Hochaltar

Zuletzt, wo es um die St. Veiter Friedhöfe ging, wurde auch kurz des verdienstvollen Wirkens von Stadtpfarrer Gabriel Lex gedacht, jedoch auf die Person selbst nicht näher eingegangen. Heute soll also einiges nachgeholt werden.

Gabriel Lex ist am 2.9.1826 in Keutschach, Pfarre Maria Wörth geboren. Er war armer Leute Kind, denn in seinem Ansuchen um Aufnahme in das Gurker Alumniat zwecks Zulassung zum Studium der Theologie (Juli 1849) führte er an, „in sehr ungünstigen Vermögensumständen zu sein“. Der untertänigste Bittsteller erwähnte vier Zeugnisse über seine mit gutem Erfolg abgeschlossenen philosophischen Studien. Weitere Unterlagen sagten aus, er habe Vorlesungen des Ersten Juridisch-Politischen Jahrganges sehr fleißig beigewohnt. Für den Fall eines wohlwollenden Bescheides versprach er, durch sittliches Verhalten, Befolgung aller Disziplinar-Vorschriften und durch Fleiß in den Studien, sich dieser hohen Gnade würdig  zu erweisen. Lex war damals noch keine 23 Jahre alt.

Der wahrlich strebsame Student, übrigens beider Landessprachen mächtig, schloss das Theologiestudium nach vier Jahren ab und empfing 1853 die Priesterweihe. Noch im gleichen Jahr trat er in St. Johann ob Brückl seine erste Stelle an. Im Mai 1857 bestand er die „Pfarr Concurs Prüfung“ in Dogmatik, Moral, Kirchenrecht, Exegese, Predigtvortrag, Mündlicher Katechese und Pastorale mit den allerbesten Zensuren. Darauf erfolgte seine Versetzung nach Metnitz. In kurzen Abständen ging es weiter nach St. Ulrich, nach Feldkirchen und erstmals 1858 für drei Jahre nach St.Veit. Bis zur Betrauung mit der hiesigen Stadtpfarre 1883 gab es noch kürzere und längere Dienste in Klagenfurt und in St.Peter im Holz.

Mit Übernahme der Stadtpfarre und des Dekanates warteten auf Lex enorme, teils schier unlösbare Aufgaben. Vor allem die Pfarrkirche war nach dem Stadtbrande von 1829 noch immer erst notdürftigst  repariert. Am dringendsten erschien der Neubau des bis dahin provisorisch eingedeckten Glockenturmes. Turmbau und Innenarbeiten wurden 1885 abgeschlossen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 22.000 Gulden. Davon trug Lexer persönlich 7.000 und erklärte, dieses Geld nicht mehr zurückfordern zu wollen, es sei denn im Falle der Not. Interessant sind die vielen Spenden in ihrer Höhe und Relation. Eintausend Gulden langten vom Kaiser in Wien ein, er war immerhin der Patronatsherr. Zweitausendfünfhundert Gulden gaben allein Gewerke Josef Rainer mit Gattin Franziska, geborene Buzzi sowie deren Tochter Franziska, verehelichte Lemisch. Weitere Spenden gingen ein: 500 von der Stadtsparkasse, 150 von Fürstbischof Dr. Petrus Funder und je 100 die beiden Kirchenkämmerer Jakob Knaus und Anton Korpitsch. Aus Sparsamkeit durfte nur ein künstlerisch unbedeutender, neugotischer Hauptaltar (Foto) von Leo Woerl in Wien bezogen werden. Erst Dr. Simon Fößl hat diesen Altar abtragen, zerlegen und hinter der Orgel verstauen lassen, wo er heute noch teilweise zu finden sein soll.

Der Weihe der Kirche und Neukonsekration der Altäre gingen ein vorabendlicher, feierlicher Bischofsempfang an der Triumpfpforte in der Klagenfurter Straße, ein Fackelzug der Feuerwehr, Chöre der Sänger und Ständchen der Stadtmusik unter den Pfarrhoffenstern voraus. Am Festtag selbst gelangten die Reliquien der Heiligen Märtyrer Vitus, Florian und Laurentius zur Einsetzung. Welch eine Fügung! Noch in der gleichen Nacht ist der große Wohltäter Josef Rainer verschieden. Er hatte kurz zuvor ausdrücklich der Auflassung des seiner Familie zustehenden Oratoriums zugestimmt.

1886 liest man auch von der Einweihung „der neuen Bilder“ am Kreuzweg zum Kalvarienberg. Aus 1888 gibt es einen Brief, womit der Stadtpfarrer die Stadtverwaltung, als Vertreterin des Kirchenpatrons auffordert, etwas gegen die zunehmende Unsitte der Konkubinate zu unternehmen!

Mit der wachsenden Zahl der Eisenbahner, deren Leichenbestattungsverein, oder mit dem von beamteten Eisenbahnern beherrschten Kriegerverein St. Veit von 1848 scheint Lexer im guten Einvernehmen gestanden zu sein. Dies geht aus späteren Streitigkeiten um Begräbnistaxen für Eisenbahner mit Konrad Walcher, dem Nachfolger Lexers hervor. Im Kriegerverein als eine Art Veteranenverbindung war Lexer eines der 15 Ehrenmitglieder.

Gegen Ende hin dürfte sich die Gesundheit Lexers mehr und mehr verschlechtert haben. Dennoch sorgte er noch 1909 dafür, dass die „Heilig Haupt Andacht“ nach Klagenfurter Vorbild auch in St.Veit Eingang fand. Man versteht darunter die Verehrung eines besonderen Bildnisses des Dornengekrönten zu jeder Fastenzeit. Als noch im gleichen Jahr und zwar am 1. Juni Gabriel Lex an Altersschwäche (Marasmus senilis) stirbt, nimmt er so manchen Ehrentitel mit ins Grab: Infulierter Probst von Virgilienberg, Ehrendomherr, Ritter des Eisernen Kronen Ordens, fürstbischöflicher Konsistorial- und Geistlicher Rat, Dechant und Stadtpfarrer von St.Veit und Jubelpriester (50jähriges Priesterjubiläum 1903). So brachte das Jahr 2009 gleich zwei Gedenktage, nämlich 100 Jahre Heilig Haupt Andacht in St.Veit und Lexers 100sten Sterbetag.                                                                                     I/2009

 

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