Haus Schiller-Platz 2

Februar 25, 2019 um 09:24 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Links im Bild das Grimschitz-Haus v o r Umbau 1933, davor das Schiller-Dengkmal, dahinter altes Hotel Stern, rechts Volksschule

Beim Abbruch des Friesacher Stadttores ergaben sich 1869 städtebaulich verschiedene Notwendigkeiten: erstens, Abbruch der ehemaligen Häuser-Ansammlung um die Stadteinfahrt zu begradigen;  zweitens, die Bildung einer geschlossenen, zum jetzt offenen Unteren Platz hin passenden Häuserfront. Betroffen davon waren alte Hausbesitzer wie u.a. Pippan, Kahsler und Wegund. Eines Tages hat man alle  Kleinparzellen zu einem einzigen Komplex vereinigt. Dies vermutlich schon beizeiten,  weil danach Josefine Pleschutznig,  die am 7. 3. 1885 geborene Tochter des Thomas Pleschutznig,  Rasnig Müllner, als Besitzerin  1922 schon besondere Absichten verfolgte. Nach Verehelichung (1923) der selbst nicht mehr ganz taufrischen Josefine mit dem 64 Lenze zählenden Witwer Ignaz Grimschitz konnte Josefine bald daran denken, das Haus (Bild 1) zu modernisieren und schließlich  Ing. Hans Wank ein aufgestocktes Ertragshaus mit Geschäftslokalen im Erdgeschoss, modernen Mietwohnungen in den drei Obergeschossen planen und ausführen zu lassen. Die Zielrichtung ging wohl dahin, dass in  den nahen Schulhäusern viel Lehrpersonal und damit sichere künftige Mieter zu erwarten waren. In der Tat trifft man  an dieser Adresse bald schon einen  gewissen Justinus Mulle, Volksschuloberlehrer, so hieß es damals für Direktor.  Das bezeugt eine Gedenktafel für den Lied-Schöpfer an der Hausseite Grabenstraße.

Die Geschäfte, zum Teil wohl auch die Wohnungen wurden u.a. von einer Modistin, der Kaufmann-Familie Adolf Neuberger und vom Papierwaren- und Schulartikelladen Hoi bezogen, jedoch nicht um selbst dort Wohnung zu nehmen. Weit nach dem Kriege bekam das Geschäftsportal sein heutiges Aussehen (Bild 2),  als dort  ein Sportgeschäft so lange Platz fand, bis es vor dem Nachbar (Sport Moser)  bzw. später vor den unbegrenzten Möglichkeiten  der neuen Kaufhausketten kapitulieren musste.

Ignaz Grimschitz (1859-1935) ist in Moosburg als Sohn des Chirurgen und Hausbesitzers Johann Grimschitz geboren. Die erste Ehe schloss er 1888 mit Maria Jäger (1867-1912) von Radweg. Trauzeuge  war Bruder Dr. Bruno Grimschitz , Kunsthistoriker und Museumsleiter in Wien, Verfasser von Kunst-Biografien, so etwa eine über Ferdinand Waldmüllers Leben und Werk. Dieser Band landete zufällig im Stadt-Archiv und trägt eine interessante Widmung:  „Justinus Mulle zum Silbernen Hochzeitstag am 29. 9. 1944 von Gerhard Glawischnig“.

Ignaz Grimschitz kaufte sich 1892 in St. Veit an. Zwei Töchter und ein Sohn, der nur 8 Monate lebte,  entsprossen der ersten Ehe.  Er betrieb eine gut gehende pGemischtwarenhandlung in der Spitalgasse bis er diese 1928 den Eheleuten Rohringer verkaufte. Rohringer gaben aber bald auf und weil der Kaufschilling noch nicht restlos beglichen war, mussten die Töchter Irma und Hilde, verehelichte Bucher über ein Meistbot ihr Elternhaus zwecks Schadensbegrenzung zurück ersteigern. Heute besitzt dieses Haus Familie Schöffmann. Seine zweite Ehe hat Grimschitz 1923 in der Stadtpfarrkirche Villach geschlossen! In der Matrikel  wird der Beruf seines  Vaters nicht mehr mit Chirurg sondern mit Arzt angegeben, in Villach deshalb, weil die erwachsenen Töchter die späte Ehe ihres Vaters vielleicht nicht so gerne gesehen haben.

Kurz zurück zum Haus Schillerplatz 2! Nach Ableben von Frau Josefine Grimschitz, geborene Pleschutznig kam es 1953 zu einer ungewöhnlichen Erbteilung. Sieben Berechtigte, alle aus der Linie Pleschutznig, hatten Anspruch auf 109zigstel Anteile, der eine mehr, die andere weniger. Natürlich war eine so große Zahl von Mitbesitzern total unpraktisch und es folgten 1961 wieder Einzeleigentümer wie Karl Bacher, 1965 Josefine Uschan, bzw. seit 1982 Dr. Heinz Napetschnig.

Postskriptum:  Wer sich mit gut klingenden Familien der Stadt befasst, ist natürlich bemüht, etwa noch vorhandene Namensträger, mit Fotos und Nachrichten  zu finden. Früher einmal genügte ein Blick ins Telefonbuch, aber dasselbe ist auch nicht mehr, was es einmal war. Wo wird uns das noch hin führen? Die Anonymität! Der Datenschutz um jeden Preis! Wird das die Gesellschaft und unser Zusammenleben fördern oder sprengen? Nur einmal fand sich der Name Grimschitz unter St. Veit und das noch dazu in der entlegenen Ortschaft Aich. Dort lautete die freundliche Auskunft, nein, mit St. Veit hätte man nichts zu tun, wohl aber mit Klagenfurt und dort befinde sich in der Person von Oberstaatsanwalt Dr. Erwin G. ohnedies ein gut informierter Familienforscher. Anfrage! Fehlanzeige! Die Antwort war nett, aber negativ. Vielleicht hätte ich besser nach Moosburger – oder Wiener Grimschitz fragen sollen?

 

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