Unsere Feuerwerker

Juni 9, 2012 um 16:45 | Veröffentlicht in St.Veit | 2 Kommentare
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 Uralt und schon bei den Chinesen seit undenklichen Zeiten in Übung, ist die Pyrotechnik, das Abbrennen von Leuchtkörpern und Raketen, ja selbst in und um St.Veit kann diese Kunst auf eine lange Tradition einerseits und auf weltweite Erfolge anderseits zurückblicken.

 Begeisterung, Liebhaberei und ein unbändiger Glaube an die Entwicklungsfähigkeit eines solchen Gewerbes standen nachweislich am Anfang kleiner und immer größerer Erfolge. Lesen wir zunächst bei unserem begabtesten Stadt-Chronisten Dr.Sebastian Weberitsch, Seite 114 ff nach und hören wir dort erstmals von einem, um 1880 eifrig Visitkarten verteilenden „Geprüften Pyrotechniker“ namens Franz Süßbauer. Es ist ein umwerfend heiterer, gleichzeitig berührender Lebensbericht, der u.a. zeigt, daß schon zu jener Zeit in St.Veit am Geburtstag des Kaisers beachtliche Feuerwerke gezunden wurden.

 Später dann, war die Feier der Osternacht mit Feuerwerk  d a s   Ereignis von St.Veit. Stundenlange Märsche vom Sörgerberg, aus dem Glantal, der östlichen und nördlichen Nachbarschaft waren gang und gäbe, um die schöne Auferstehungsfeier miterleben zu können. War der Auftraggeber für das Geschehen zu des alten Kaisers Geburtstag die Stadtgemeinde, so griff danach die Stadtpfarrkirche in den Säckel. Mit den jährlichen Wiesenmarkt- und Neujahrsfeuerwerken setzt die Stadtgemeinde eine schöne alte Tradition fort. Das Heimatbuch des Bezirkes St.Veit, 1956 erschienen, Seite 198, macht erstmals auf die Geschichte der Firma Liebenwein aufmerksam. Es handelt sich dabei um eine Familie mit ältestem Stammbaum, welche aus dem Rheinland über Böhmen nach Kärnten, und hier zu großen Ansehen gelangte. Ein Mathias, 1777 noch in Untermoldau geboren, war der erste Liebenwein, welcher in Kärnten Fuß faßte. Als Gewerke und Besitzer in Poitschach bei Feldkirchen 1847 gestorben, pflanzte er einen starken Stamm, wovon Sohn Karl in Poitschach nachfolgte. Auch Vinzenz, 1809 noch in Poitschach geboren betrieb einen Kupferhammer in Glan/Sittich. Seine Schwestern Anna und Josefa hatten begüterte Ehemänner, nämlich Ferdinand von Knappitsch, Krumfelden bzw. Leopold Obersteiner, Brauereibesitzer in Hirt.

Johann Liebenwein, Sohn des Vinzenz, betätigte sich als Kaufmann in St.Veit, Unterer Platz Nr.21. Als er vor der Zeit verstarb, heiratete seine Witwe Aloisia den Kaufmann Alois Ginhart, einen Steirer. Mit Johann und Aloisias Sohn Josef, geboren am 27. Feb. 1874 – er war also nur vier Jahre jünger als Dr.Sebastian Weberitsch! – einem an sich gelernten Kaufmann, fand jedoch das pyrotechnische Geschehen in St.Veit eine logische Fortsetzung. Wir folgen jetzt einfacherweise der modernen Selbstdarstellung der Firma COPYFA, Hans Liebenwein, Meiselding, die eine kurze Chronolgie bietet: 1891, Josef Liebenwein veranstaltet in der Steiermark das erste öffentliche Feuerwerk. 1895 wird aus eigenem Antrieb mit der Erzeugung von Feuerwerks-körpern begonnen. Seine ersten Kenntnisse holt er sich „beim k.u.k. Hoffeuerwerker Süßenbach“….. Handelt es sich bei Weberitsch`s Süßbauer oder hier um eine Verschreibung des Namens? Liegt vielleicht gar Personenidentität vor? Zeitgenossen waren sie jedenfalls alle drei! In der Chronologie fortfahrend, ersieht man, daß Josef Liebenwein 1914 den Ersten Weltkrieg als Militärfeuerwerker mitmachte und 1917 sogar die Konzession zur Erzeugung pyrotechnischer Artikel verliehen bekam. Gewiß war 1917 und die folgenden Jahre wirtschaftlich nicht die beste Zeit. 1938 und 1939 belebt sich die Sache schlagartig. Zwei Söhne rücken nach und der Betrieb wächst derart, daß zeitweilig mehr als 200 Beschäftigte verzeichnet werden. Kriegsbedingt werden Unmengen von Leucht- und Signalmunition gebraucht.

Eine schwere Zessur bedeutet folglich das Jahr 1945. Nicht nur Betriebsstillegung, sondern zeitweilige Beschlagnahmung werden erzwungen. 1955 beendet Josef Liebenwein, zweiundachtzigjährig seine außerordentlich lange, aktive Zeit. 1957 gründet Sohn Hans die Firma Comet Pyrotechnische Fabrik. 1972 ist das Jahr der Firmenumwandlung mit einem deutschen Partner, doch der beabsichtigte Ausbau in der Schießstattallee wird wegen der ständig näher rückenden Wohnbauten unmöglich (1974), was 1975 die Liquidierung des Betriebes nach sich zieht.

1982 bringt einen Neustart unter Initiative von Sohn Hans Mathias Liebenwein. Das in St.Veit gegründete Einzelunternehmen befaßt sich zunächst nur mit der Durchführung von Großfeuerwerken. Der mutige Entschluß ist von Erfolg gekrönt. Der Sitz wird nach Meisellding verlegt. Unternehmenszweck ist der Import von Klein- Mittel- und Großfeuerwerkskörpern, der Handell mit diesen Produkten und die Abhaltung von entsprechenden Großfeuerwerken im In- und Ausland. Heute steht in einschichtiger Lage vor Meiselding auf einem Areal von 30.000 m2 die modernste pyrotechnische Fabrik, mit weltweiten Kontakten.

Seit den Feuersbrünsten, verursacht durch den „Geprüften“ um anno Schnee und den gelegentlichen „Bumsern“ in der Schießstatt-Allee ist es in St.Veit wohl sicherer geworden, die beachtlichen kommunalen Steuern fließen aber auch wo anders hin….

Walter Wohlfahrt in „St. Veit Kommunal“ Jänner 2003

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2 Kommentare »

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  1. Sehr geehrte Frau Czyzewska, als Verfasser dieses Blogs freue ich mich
    natrlich ber Ihre Aufmerksamkeit und darber, dass ich Ihnen zumindest
    teilweise werde helfen knnen. Unsere Pfarr-Chronik enthlt gewisse
    Hinweise zum tragischen Ereignis. Ich bitte nur um etwas Geduld. Ich werde
    mich bemhen. Vorerst liebe Gre aus St. Veit W.Wohlfahrt

  2. Sehr geehrte Leser,
    ich schreibe Ihnen aus Polen. In der pyrotechnischen Fabrik Josef Liebenwein & Söhne sind im 2. Weltkrieg durch einen Bombenangriff zwei Schwester meiner Oma ums Leben gekommen, Nelly und Maria Kolodzejczyk aus Tarnow bei Krakau. Vielleicht weiß jemand etwas mehr darüber? Gibt es eine Gedanktafel für die Opfer? Ich wäre für jede Informationen dankbar: Marta Czyzewska, skr.poczt. 76, 05-090 Raszyn, Polen (Mail: alinas1111@gmail.com)


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