Unsere städtischen Baumeister

Mai 4, 2012 um 18:46 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Der heutige Aufmacher zeigt die ehemalige Villa von Stadtbaumeister Johann Tauschitz (1884-1977). Dieses prächtige Haus hat man 1986 gänzlich geschleift, um für den Billa-Laden nahe Hauptbahnhof Platz zu schaffen. Etwas später entstand auf dem großen Garten das neue Wohnhaus Friesacher Straße 46.

Seit in der Stadt gebaut wird, waren mehr oder weniger talentierte, doch ausdrücklich dazu berufene Baumeister am Werken. Das schon mehrmals herangezogene „Bürgerbuch von 1564“  bringt anfänglich neben Personennamen leider noch keine Berufsbezeichnungen. Man darf aber in früher Zeit von Familiennamen oft direkt auf Berufe schließen. So ist der 1579 Ersterwähnte, namens Jörg Maurer vermutlich auch wirklich ein Maurer gewesen und zwar nicht irgendeiner, sondern ein Maurer mit Bürgerrecht, also einer der zur Stadt in einem besonderen Vertrauensverhältnis gestanden ist. Ein Haus am Land, Stall oder Scheune konnte bald einer planen und bauen, aber Stadthäuser, das war wohl eine höhere Liga!

Folgen wir dem Bürgerbuch chronologisch, dann entdecken wir bald Leute mit Berufsangabe

1588    Urban Schiecht, Maurer

1628    Martin Pröll, Maurer

1661    Georg Nigglauer, Maurer

1677    Martin Pröll, Maurer (Sohn des gleichnamigen Vaters)

1678    Jacob Jaritz, erstmals „Stattmaurermeister“

1705    Caspar Krabath und Bartlmä Schuster, beide Maurer

1737    Matthias Melluschnig, Maurerpolier

1753    Gregor Schorn, Maurermeister, 42 Jahre alt

1784    Anton Türkh, Maurermeister, aus Hörzendorf stammend

1815    Valentin Radweger, Maurermeister, aus Treffen stammend

1841    Anton Chien, ebenfalls „Stadtmaurermeister“, aus Pizzano/Moggio, 40 Jahr alt

 Bis hier her sind es besonders befugte und durch Bürgerrecht herausgehobene Gewerbsleute. Weil aber Bürgerrechtsverleihungen ab 1884 nicht mehr üblich sind, schließt jetzt ziemlich nahtlos ein weiterer „Italiener“ an, wenn auch nur als Maurermeister in der Person von Franz Borghi. Dieser stammte aus Flagognia bei San Daniele, 1844 dort  geboren. Er war es, der 1890 mit dem Abbruch des Vorwerkes beim Villacher Tor beauftragt wurde. Zeitgleich war in St.Veit aber auch schon Michael Wank, der spätere und sichere Stadtbaumeister tätig. In beiden Fällen handelt es sich um wahre Dynastien im Baugewerbe, d.h. das davor und danach mehrere Borghi oder Wank ihre Spuren hinterlassen haben. Die Wank kamen aus der Pfarre St. Sebastian bei Hochosterwitz. Schon 1848 hat nachweislich ein Andreas Wank (1796-1862), Maurermeister von dort  das Mesnerhaus in Maria Wolschart gebaut. Auf Andreas folgte dessen Sohn Alexander (1832-1929). Enkel Michael (1861-1912) ließ sich schließlich in St.Veit nieder. Mit Michaels Sohn DI Hans Wank (1891-1947), ebenfalls Stadtbaumeister, erlosch diese Baumeisterfamilie im Mannesstamm. Der Berufseinstieg des Hans Wank war zeitbedingt schwierig, das Ende aber als tragisch zu bezeichnen. Ein kurzes Zwischenspiel als Stadtbaumeister in St.Veit lieferte Hans Tauschitz (1884-1977), aus Hörtendorf stammend. Seine erste Gattin war eine Wank-Tochter und so konnte er sich zu recht und vorübergehend laut Briefkopf „Michael Wanks Nachfolger“ nennen,  so lange Schwager Hans seine berufliche Qualifikation, unterbrochen durch Teilnahme am 1. Weltkrieg und am Kärntner Abwehrkampf,  nicht zum Abschluss gebracht hatte. Nach Ablegung der Baumeisterprüfung 1923 begann Hans Wank noch im gleichen Jahr als selbständiger Baumeister. Bauten des Michael Wank, wie Volks- und Hauptschule, alte Sparkasse (heute Glaserei Puppitz) oder das Wank-Haus selbst am Schillerplatz zieren noch heute das Stadtbild. DI Hans Wank bildete in der NS-Zeit mit Ing. Wilhelm Tauche eine Arbeitsgemeinschaft zur Errichtung der Kanaltaler-Siedlung, aber auch bei Entstehung der sogenannten Neusiedlung am Knappenberg. Viele Bauten des Michael Wank kärntenweit sind bislang noch unerforscht. Bescheidener sind die Werke des Tauschitz. Dazu gehörten die eigene Villa und das alte Vereinshaus (heute Vereinstreff nahe der Hauptschule), beides demoliert.  Allein das Haus des Dr. F. Kraßnig, Bahnhofstraße 12 von Tauschitz steht heute noch. Auch das zerbombte Arbeiter-Vereinshaus Ecke Klagenfurterstraße – Lastenstraße  könnte mit seiner Entstehung in die Tauschitz Zeit passen.

 

 

Die abgebildete Ansichtskarte von 1928 zeigt ungefähr in Bildmitte das Arbeiter-Vereinshaus sowie gegen den rechten Bildrand  hin die 1921 errichtete Tauschitz-Villa zwischen Bahnhof und Kölnhof. Alles Land davor war noch gänzlich ohne Verbauung. Die rund 35.000 Quadratmeter große Fläche ging infolge notariellen Übergabs- und Bauvertrages vom 24.2.1925 aus Kirchenbesitz auf Hans Tauschitz über. Anstelle Barzahlung wurde vereinbart, dass Tauschitz alle Bauleistungen zu erbringen hat, die mit der Errichtung des Katholischen Vereinshauses erforderlich sind. Stadtpfarrer Felix Fiebinger und seine Kirchenkämmerer Max Weberitsch und Georg Dörrer hatten ganz genaue Vorstellungen, wie eine moderne Jugend- und Öffentlichkeitsarbeit aussehen könnte und welche Raumerfordernisse dazu nötig wären. Gegenstand von Planung und Ausführung war: Holzkeller. Im Erdgeschoß ein Versammlungssaal mit Galerie, Sitzungssaal mit Nebenraum, Kassenraum, Buffetraum, Garderobenraum, Herren und Damen Toiletten, Stiegenhaus. Im Obergeschoß lag die Wohnung des Hausbesorgers bestehend aus Zimmer, Küche, Speis, Abort, Aufgang in den Unterdachraum. Grund und Gegenleistung wurden mit je 36.000 Schilling bewertet, der Quadratmeterpreis lag also knapp über ein Schilling. Es wäre nicht weit gefehlt, in dem allen eine hoffnungsvolle katholische Gegenstrategie zum Zeitgeist zu erblicken.                                            Walter Wohlfahrt

Aus St.Veiter Stadt-Blatt´l von Friedrich Knapp

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