Straßenbau 1926 beim alten Mauthaus nahe Schönmühle

April 18, 2012 um 15:14 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Vier Monate war man im Jahre 1926 mit Straßenwalzung beschäftigt. Ein Bild von dieser Baumaßnahme im Bereich der Klimbacher Kurve spricht für sich selbst. Selten genug wird ein Foto geschossen und die Entstehungszeit so eindeutig dokumentiert. Doch Hand aufs Herz, wüßten Sie zu sagen wo genau diese Szene spielt? Man kann nämlich keinen der hier Abgebildeten noch um Auskunft fragen, denn es sind seither mehr als achtzig Jahre ins Land gangen! Oder erkennt wirklich noch wer jemanden?

Um keinen zu lange auf die Folter zu spannen – die Gesellschaft befindet sich auf der Friesacher-Straße genau an der Stelle, wo heute die Dr. Arthur Lemisch Straße einmündet. Vor sich hat man die komplette Streitmacht der damaligen St.Veiter Straßenverwaltung mit allen verfügbaren technischen Gerätschaften. Will man zunächst die maschinelle Bestückung von rechts nach links betrachten, erkennt man bald, daß man sich bei der Aufstellung schon etwas gedacht hat. Es zeigt sich ganz rechts samt dem Lenker am Steuerrad ein Vehikel zur Festigung des Unterbaues. Gleich daneben, ein Arbeiter der sich an einen hölzernen Schotterwagen, von zwei Mann zu ziehen, anlehnt. Dahinter ein komisches Pultdach. Ein Straßenarbeiter steht darauf, deutlich erhöht. Neben ihm ist ein etwa fünfjähriges Bübelein mit keckem Hütel deutlich erkennbar. Lebt er gar noch? Er wäre dann wohl an die 86 Jahre alt! Das Gerüst verrät, es befindet sich darunter ein fahrbarer Behelf zum Aufheizen der Teerfässer. Es folgt nun ein Pferd, besser gesagt ein Leihpferd mit dem dazugehörigen Roßknecht. Endlich kommt die Straßenwalze ins Bild. Diese hat ein Dach zum Schutze gegen die Hitze von oben. Die Hitze von unten her, also vom Asphalt ist sehr groß gewesen. Die Walze hatte die Straßenoberfläche zu glätten. Damit wäre auch der Arbeitsablauf von Bereitung des Unterbaues, über Schotterschüttung und Teerung bis hin zur Walzung gut nachvollziehbar. Vor der Walze erkennt man außerdem eine Wasserpumpe für zwei Personen. Sie wurde benötigt, um etwa störendes Wasser weg zu bekommen.

Worauf die einzigen zwei Personen, die nicht aufrecht stehen, sitzen, ist nicht auszumachen. Es könnten gekippte Schubkarren sein. Die massige Gestalt im Zentrum, gerade nicht das Bild füllend, sieht nicht darnach aus, als wäre sie gewohnt, Krampen und Schaufel zu schwingen, wie die zehn Aufrechten. Er war also wohl der Vorarbeiter, Partieführer oder vielleicht gar  der Herr Straßenmeister. Der zweite in Sitzposition ist recht elegant gekleidet und demnach ein Straßenbau-Ingenieur. Vielleicht ist er mit dem am Bildrand zu sehenden Auto Anno 1904 gekommen. Noch einer sticht ganz besonders heraus. Es ist der Mann im  schwarzen Rock mit weißer Schürze, rechts von der Mitte. Es würde nicht wundern, wenn er ein Wirt wäre, der schon irgendwo im Hintergrund das kühle Bier für die Gleichenfeier bereit hält?

Jetzt noch zum Haus dahinter! Es steht heute nicht mehr. Die Wellblechhütte rechts, diente wahrscheinlich als Werkzeug- und Gerätelager, denn das Haus selbst stand damals schon als Wegmacherhaus in Verwendung und war als solches in Staatsbesitz. Das Gebäude stand mit Sicherheit bis mindestens 1950 auf der von den genannten Straßen gebildeten spitzen Rasenfläche. Es wurde 1817 als „Neues Mauthaus“ errichtet. Die Bauausführung sollte dem Niedrigstbieter übertragen werden. Das war Amon Radinger. Er versprach, alles plangemäß herzustellen, und das um sage und schreibe 360 Gulden. Vielleicht war Radinger nicht der beste Rechner und auch nicht der tüchtigste Baumanager? Es kann sein, daß er sogar dazuzahlen mußte, denn aus einem Brief vom 15.3.1825 des Josef Tautschnig, Besitzer von Keutschachhof an Amon Radinger – also 8 Jahre später – geht hervor, daß die für das Mauthaus bezogenen Mauer- und Dachziegel noch nicht restlos bezahlt sind! Damit ist so nebenbei ein weiterer Vorbesitzer der ehemaligen Ziegelei Voraberger am Keutschachhof nachgewiesen. Nach Abschaffung aller Wegemauten blieb das Gebäude in öffentlicher Hand. Die Weiternutzung als Wegmacherhaus lag daher nahe. (Landesarchiv, Katalog 18, Stadt St.Veit, Faszikel 43).             

Walter Wohlfahrt in „Zentrum Kärnten“  VI/2007

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