Der alte Ranftlhof bei St. Veit

April 13, 2012 um 13:08 | Veröffentlicht in St.Veit | 1 Kommentar
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Bei Anlegung des Grundbuches von 1878 erschien der Ranftlhof unter der Adresse „Friesacher Vorstadt Haus Nr. 13 und 14“ und ein gewisser Franz Graß war als Eigentümer angeschrieben. Auf einer Anhöhe zwischen Köllnhof und Schloss Hunnenbrunn, also gerade noch innerhalb des alten St.Veiter Burgfrieds sich erstreckend, ist der Hof von unten her gar nicht leicht auszumachen.

Lage und Größe ließen vielleicht einen einst adeligen Ansitz erwarten. Auch handelt es sich dabei um alten Landtafel-Besitz. In der Kärntner Burgenkunde von Kohla-Metnitz, über Burgen, Schlösser und Ansitze wird des Ranftlhofes ebenso wenig Erwähnung getan wie in einschlägigen Bezirksführern unseres Dr. Karl Ginhart. Die alte Geschichte dieses Platzes bleibt im Dunkeln. Kranzmayer führt den Namen nicht unpassend auf das Brotranftl, also auf den Brotanschnitt zurück, was auch durchaus zur deutlichen Randlage des Anwesens passen würde. In Carinthia I  Jg. 1955, Seite 584 finden sich Hinweise auf einige Edle von Ranftlhofen, die aus der Murauer Gegend stammend sich zur Zeit der Gegenreformation u.a. in der Pulster Pfarre aufhielten und zwar als „unbefugt im Lande weilende Exulanten“. Wie weit und ob überhaupt sich Zusammenhänge mit dem Ranftlhof bei St. Veit herstellen lassen, bleibt die Frage.

Uns müssen hier die letzten hundert Jahre genügen, die, wie wir sehen werden, durchaus auch ihren Reiz haben. Von Atomphysiker und Universitätsprofessor Dr. Manfred Drosg, Wien, wurde der Stadt vor einiger Zeit überraschend ein für die Stadtgeschichte wertvolles Geschenk gemacht. Es handelt sich dabei um das Büchlein seiner Mutter, Hanna Drosg, mit dem Titel „Il Capitano matto“.

                          Richard Stipek als k. u. k. Linienschiffsleutnant

Hinter diesem Capitano steht der Vater der Autorin, Richard Stipek, k.u.k. Linienschiffsleutnant und Herr auf Ranftlhof von 1912 bis 1938. Der zeitliche Bogen dieser höchst liebenswert verfassten Lebenserinnerungen, mit dem Ranftlhof als Mittelpunkt, reicht vom Ende der Monarchie bis herauf in die Nachkriegszeit. Gestalten und Schicksale begegnen uns an verschiedenen Orten, ausgehend vom altösterreichischen Kriegshafen Pola über Triest, St.Veit, Bodensee, Veldes und Klagenfurt. Das Buch erschien 1999 in sehr geringer Auflage, ist reichlich und interessant bebildert, heute leider nicht mehr zu kaufen, eine echte Rarität. Die Haltung der Stadtgemeinde, das Original gut zu hüten und nicht in die Stadtbücherei zu geben, ist daher mehr als verständlich. Umso dankbarer darf man sein, dass Frau Themel, die neue Chefin der Stadtücherei, die Anregung freundlich aufgenommen hat, das Buch zu kopieren und auf diesem Wege einem geneigten Publikum zugänglich zu machen. Irgendwie wird man bei der heiteren Lektüre an den guten alten Dr. Sebastian Weberitsch erinnert. Das Buch in kopierter Form sei ebenso empfohlen, wie ein zweiter Titel der gleichen Autorin, der von Frau Turk im Original der Stadtbücherei übereignet wurde, er lautet „Meine tierischen Lieblinge“. Frau Turk und Herr Universitätsprofessor haben nämlich in der Person des einstigen Postverwalters von St. Veit, Rudolf Drosg, einen gemeinsamen Großvater.

Vermutlich war der biedere, einarmige Ludwig Waldinger unmittelbarer Nachfolger im Besitz. Er war es jedenfalls, der aus dem Ranftlhof wieder ein Wirtshaus machte. Angeblich war dort schon kurz nach 1945 Kaffee und Raindling zu bekommen. Später, in den Fünfzigern gab es am Ranftlhof regelmäßig Musik und Tanz für Jung und Alt. Waldinger verkaufte 1956 an Dr. Hubert Knaus und übersiedelte nach Pörtschach am Wörthersee. Über die beiden Töchter des Dr. Hubert Knaus gelangten nur noch die Gebäude mit wenig Grund gemäß Kaufvertrag an Erich Köfler. Heute ist der Vierkant-Hof  ein begehrter Unterstell- und Trainingsplatz für Privat- und Turnierpferde. Obwohl es inzwischen eine moderne, asphaltierte Zufahrt gibt, sind die alten, tief eingeschnittenen ehemaligen Fuhrwege im Gelände noch gut erkennbar.                                                                         VII/2008

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1 Kommentar »

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  1. Hallo Walter, dein Artikel hat mich dazu inspiriert, die Stadtbibliothek aufzusuchen und das Buch von Hanna Drosg anzuschauen. Ich habe den Abschnitt mit den Bildern über Ranftlhof kopiert und dabei sind Jugenderinnerungen wach geworden.


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