Einstige Arreste im Alten Rathaus

April 7, 2012 um 15:20 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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SSogenanntes Altes (gemeint ist wohl erstes) Rathaus von Judengasse, späterer Bräuhausgasse her gesehen. Foto Walter Wohlfahrt, 2006

Als Kärnten, nach Napoleonischer Zeit vorübergehend von Laibach aus regiert wurde, mußten die Bezirksämter Villach und Klagenfurt mit den ihnen unterstellten Bezirksobrigkeiten, sprich Grundherrschaften und Magistraten von dort ihre Weisungen entgegennehmen und dorthin regelmäßig berichten, einerlei ob in Pfarr- , Schul- , Markt- , Militär-, Justizsachen etc. Weil dies zugleich auch die Zeit Metternichs und seines Polizeiapparates war, wurde nicht nur dem Schubwesen, sondern auch dem Zustande der diversen Arreste größte Aufmerksam zu teil. (Kärntner Landesarchiv, Gubernium Laibach, Schachtel 234, 1835-1836). Eine Durchsicht der Bestände bringt manch Interessantes zu Tage, wie etwa die

Entweichung der Criminal-Inquisiten Franz Ebernig und Anton Schigsch aus dem Arreste des St.Veiter Magistrates. Wie sich später herausstellte, sollten sie des Diebstahls wegen abgeurteilt werden. Im Amtsvortrag des Gubernialratsoffizials Saurau heißt es: „Aus den vorliegenden Erhebungen geht hervor, daß gedachte zwei Inquisiten (Häftlinge) mittels Durchbrechung des mit keinem Korb versehenen  Ofens und Öffnung der zwei Anhängeschlösser an dem vor der Heizstelle zu diesem Ofen angebrachten eisernen Schutzgitter nach Durchbrechung eines nur schlecht verwachten Hoftores in das sogenannte Alte Rathaus gelangten und daselbst in einer Kammer zu ebener Erde ein altes Fenstergitter weggebogen haben, von wo sie schließlich auf die Gasse (Judengasse!) und ins Freie kamen.“ Der Weg in die Freiheit war also durchaus nicht einfach zu bewerkstelligen. Eine Schwachstelle war der Ofen „ohne Korb“. Wie ist das zu verstehen? Es gab einen in die Zelle reichenden, und von außen zu beschickenden Ofen. Weil dieser zellenseitig keine Vergitterung, also keinen Korb hatte, war es möglich, die Ofenwand zu durchbrechen und beim Heizloch durchzukriechen. Da aber ganz offensichtlich noch mehr nicht in Ordnung war, hatte sich der Magistrat schriftlich zu rechtfertigen, und machte dies wie folgt: „Ebernig war nicht im Criminal-Arrest, sondern im (weniger strengen?) Polizei-Arrest, daher die nächtliche Anschließung (mit Ketten) an die Wand nicht mit gehöriger Aufmerksamkeit gehandhabt. Man räumt ein, daß der Arrest in jener Nacht nicht visitiert worden ist, weil dem Wärter Priwatschnig an diesem Tage bekanntermaßen äußerst unwohl war. Außerdem hatte Ebernig bei den üblichen Spaziergängen Gelegenheit, öfter in die Küche des Wärters zu kommen und im Zuge von Verwandtenbesuchen, die Lebensmittel brachten, sich Schlüssel für die zwei Anhängeschlösser zu besorgen.“

Zum Schluß wurde der Wärter mit drei Tagen, sein Gehilfe Luckensteiner mit 12 Stunden Arrest bestraft und dem Magistrat ein Pönale von 50 Gulden aufgebrummt, über dessen Zahlung, Reduzierung oder gänzlichen Nachlaß noch lange zwischen St.Veit, Klagenfurt und Laibach korrespondiert wurde, ohne daß man weiß, wie es ausgegangen ist. Von den zwei Ausbrechern, war der Schigsch bald wieder eingefangen, der Ebernig aber über alle Berge…….

Weil im gleichen Bestand auch ein umfangreicher und ausführlicher Bericht über die Beschaffenheit der Arreste nahezu aller Bezirksobrigkeiten des Klagenfurter Kreises, datiert mit Laibach, 3.4.1835 (Akt 20.865) einliegt, kann nicht nur Allgemeines, sondern auch für St.Veit ganz Spezielles ausgesagt werden. Es erstaunt wenig, daß auf die Sicherheit größter Wert gelegt wurde, aber doch, daß auch auf die Gesundheit der Inhaftierten geachtet werden mußte. So wurde abgefragt, ob der Boden aus Holz oder Stein sei und daher nicht selten ein Holzboden nachreklamiert, des weiteren, ob die Häftlinge im Falle von Krankheit und Not bei ihrem Rufen wohl gehört werden, im Winter eine Beheizung funktioniert oder, ob Belüftung und Trockenheit der Zellen gewährleistet erscheinen. Damit wieder zurück zur konkreten Situation im St.Veiter Rathaus.

„Der Magistrat von St.Veit besitzt laut vorgelegten Berichten vom 13.4.1833 bzw. 30.10.1834 und anruhendem Plan (leider nicht mehr vorhanden!) nur einen Bezirks-Arrest und zwar zu ebener Erde in dem dortigen Stadthause (=Rathaus) welcher gemauert, gewölbt, mit zwei Fenster versehen und mit einem Kachelofen beheizbar ist. Zu dem Arreste gelangt man nur durch die Wohnung des Gerichtsdieners, daher können die Verhafteten von da aus die allenfalls nötige Hilfe erhalten. Der Bezirks-Arrest ist übrigens, wie es sowohl aus der Beschreibung als aus dem Plane hervorgeht, vorschriftsmäßig erbaut und es wäre nur die Arresttüre mit einem Luftschuber zu versehen.

Ferner besitzt der Magistrat im 1. Stock des Rathauses noch zwei Criminal-Arreste zu denen man über eine im Hof angebrachte hölzerne (!) Stiege gelangt. Diese zwei Arreste sind durch eine Vorlaube abgeteilt in welcher die Einheizen (Öfen) dergestalt angebracht sind, daß jeder Arrest mit einem abgesonderten Ofen beheizt werden kann. Die Arreste sind übrigens sehr klein und höchstens für ein oder zwei Verhaftete tauglich, zweckentsprechend erbaut, sie kommunizieren nicht unter sich, auch können die Verhafteten allenfalls benötigte Hilfe durch Rufen vom Gerichtsdienergehilfen erhalten.“

Das Hintere Rathaus, das noch lange Zeit nur von der Judengasse her zugänglich gewesen ist, hat also nicht nur die Familien des Gerichtsdieners und seines Gehilfen, sondern zeitweise noch mehr oder weniger unfreiwillige Mitbewohner beherbergt.                      II/2006

 

 

 

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