Vom Gewerbsfleiß der Hinterhöfe

August 10, 2011 um 14:11 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Gerade in den Hinterhöfen  mancher Stadthäuser entfaltete sich oft beachtliche gewerbliche Regsamkeit, ohne dass ein Städter viel davon mit bekam. Ein Glück, dass dort und da noch Fotos erhalten geblieben sind und solcherart darüber berichtet werden kann.

Als ein Musterbeispiel dafür dient die hier gezeigte Szene aus der Zeit 1920/30. Sie spielt im Hof des Doppelhauses Trixner, Hauptplatz  27 und 27a. Würde einem das Motiv nicht vom Hausherrn erklärt werden, man wäre mit jedem Lokalisierungsversuch auf verlorenem Posten. Es würde niemand ahnen, dass sich hinter dem Querbau mit der Personengruppe davor, die Stadtmauer verbirgt, und dass man inzwischen durch ein Tor selbst mit Autos einfahren kann. Am rechten Bildrand erhebt sich schon lange ein Neubau, u.a. mit der UNIQA als Mieterin. Linker Hand hingegen gibt es Garagen, wo zuletzt eine Kfz-Werkstätte betrieben worden ist.

Man wäre wirklich versucht, einen Preis zu stiften und ihn dem zu übergeben, der jetzt schon zu sagen wüsste, womit sich die drei Männer beschäftigen und was die prallen Jutesäcke vor ihnen wohl enthalten?                                                                                                         

Da heißt es jetzt, zeitlich ein wenig auszuholen: Gut zweihundert Jahre zurück gibt es die verschiedensten Handwerker in der Stadt mit Namen Trixner. Einer der Ahnherren, Johann Trixner, war Schuhmacher-meister, lebte von 1864 bis 1953 und war nicht nur mit einem hohen Alter gesegnet, nein auch mit reicher Berufserfahrung und besonderem Gespür für stete Veränderungen im Wirtschaftsleben! Als einer, der tagtäglich mit Leder zu tun hatte, merkte er bald, wie Gerbermeister und Lederer nach und nach in Schwierigkeiten kamen und ihr Gewerbe aufgeben mussten. Der Grund dafür lag im Entstehen von Lederfabriken in Klagenfurt, wie etwa  Knoch oder Neuner. Für die vielen Schuhmacher im Lande war Sohlenleder gleich wichtig wie weicheres Oberleder. Beides wurde seit Jahrhunderten in kleinen, örtlichen Lohgerbereien gewonnen, jetzt aber industriell. Johann Trixner erkannte, wohin die Entwicklung ging und dass Fabriken eben erhöhten Bedarf an Rohmaterial haben würden. Damit ist zum einen der Ankauf von getrockneten Baumrinden (siehe die ehemaligen Rindenlager an manchen Bahnhöfen!), zum andern die dezentrale Sammlung  von Rinderhäuten gemeint. Letzteres war nun gerade das Gebiet, wo Trixner sich gut auskannte. 1898 kaufte er sich am Oberen Platz an. Er war damals 34 Jahre alt. Das Haus beherbergte davor nicht weniger als sechs Bäckerfamilien und noch früher die Eisengewerken von Pfeilheim. Eine alte, eine sehr alte Adresse also am Platze! Noch im gleichen Jahr erhielt Trixner die Baubewilligung zur Adaptierung eines Wohngewölbes und zum Zubau einer Waschküche. Die ursprünglich gewölbten Räume des Erdgeschosses sind größtenteils  verschwunden. Rechts vom Eingang befand sich ein Kellerraum, der schon 1885 zu einem Verkaufslokal adaptiert und 1925/1932 mit Auslagen ergänzt wurde. Das Gewölbe links vom Eingang sowie der ansehnliche Backofen wurden 1949 abgetragen und dadurch  Raum für den Verkauf von Fahr- und Motorrädern, Näh- und Schreibmaschinen samt einschlägigen  Bedarfsartikeln gewonnen. An der anderen Seite schuf Otto Trixner (1897-1973) einen Häute- und Lederhandel. Hans Trixner (1897-1959) errichtete im Hofe links 1923 eine mechanische Werkstätte, die 1942 vergrößert wurde. So weit ein korrigierter Auszug aus der Häuserkartei des Dir. Rudolf Niederl.

Nun aber wieder zurück zu unserem Bilde. Nachdem die schreckliche Inflationszeit vorbei und ein sinnvolles Wirtschaften endlich wieder möglich war, nahm Johann Trixner neuerlich  den Ankauf von Tierhäuten auf. Was anfänglich wohl mit Pferdefuhrwerken geschah, ermöglichte jetzt ein Lastwagen und wo immer Rinder geschlagen wurden  und rohe Häute anfielen, holte man sie nach St.Veit, machte sie durch Salzeinstreuen trocken, lager- und transportfähig, um sie dann der Lederfabrik zuzuführen. Die im Hofe, nahe der Brückenwaage liegenden Rollen bestanden daher aus nichts anderem als aus Kuh-, Kalbs- und Stierhäuten. Auch Wildfelle waren im Sortiment und zum Trocknenaufgespannt.                                                                                                                                  

NB –  „Frohe Botschaften….I/2011“  – Treue Leser haben mich auf einen Fehler aufmerksam gemacht: Das Gesundheitsamt ist nicht im 6-er, sondern im 7-er Haus untergebracht gewesen.                II/2011

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