Hauptplatz Nr. 13

August 9, 2011 um 17:39 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Wenn Häuser reden könnten! Ja wenn, dann wüsste auch das Haus Nr. 13 auf unserem Hauptplatz einiges zu berichten. Vielleicht würde es dann damit so oder so ähnlich beginnen:

Ich bin zwar nicht das vornehmste Haus am Platz, auch nicht eines von den großen, doch mein Alter braucht sich vor den anderen nicht zu verstecken. Ich gehöre ganz sicher mit zu den ältesten Platz-Adressen, ursprünglich unter „Innere Stadt 95“, danach „Oberer Platz 96“, kurze Zeit „Adolf Hitler Platz 13“  und letztendlich „Hauptplatz“. Ich habe in der langen Zeit viel mitgemacht, die eine oder andere bauliche Veränderung, zuletzt um 1900 als man mir die Gewölbe über dem Erdgeschoß genommen hat, um moderne Geschäftslokale unterbringen zu können. Seit 1921 beherbergte ich den Tabakhauptverlag, jetzt immer noch als Trafik geführt. Weil aber Frau Anni Schorn an anderer Stelle, im Hause Nr. 17 Verlag und Trafik seit 1899 innehatte, ist ein hundertjähriges Jubiläum zu feiern, glatt vergessen worden.

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Doch muss ich mit meinen ältesten Hausherren, so weit bekannt, beginnen. Sie waren fast durch die Bank angesehene Bürger. So lange man an dieser altehrwürdigen Einrichtung festhielt und das „Bürgerbuch“ geführt wurde, waren dies der Reihe nach (Jahr der Bürgeraufnahme in Klammern) Stefan Herzog, Bäcker (1746) gestorben 1775 und dessen Sohn Johann, Johann Kugi, Portenwirker (1794) gestorben 1828, „Leonhard Liebhard nomine seines Sohnes Josef“ und erst anschließend ab 1831 Anna Kugi, Posamentiererin. Schon 1832 folgten im Besitz Ernst und Anna Feistl (1829). Ernst Feistl, seines Zeichens ein Gürtler war verheiratet, evangelisch und 1797 geboren. Er stammte aus Frankfurt an der Oder. Dieser Erwerb geschah  nur 3 Jahre nach dem letzten großen Stadtbrand. Keine schlechte Chance für einen jungen, tüchtigen Gürtler, wenn man bedenkt, was da alles neu anzuschaffen war. Sohn Hugo firmiert jedoch als „Goldarbeiter“ und seine Witwe Gabriele, wiederverehelichte Mörbinder hält das Haus nur noch kurze Zeit von 1886 bis 1890. Dem Chronisten Josef Weinstabl scheint zu Ohren gekommen zu sein, warum es so bald wieder zum Besitzwechsel kam. Herr Mörbinder betrieb das Goldgeschäft zwar weiter, war aber ein so nobler Herr, dass er lieber in gesellschaftlichen Kreisen als bei seiner Arbeit verweilte, so dass Haus und Geschäft unter den Hammer kamen. 1890 folgte für zwanzig Jahre ein gewisser Johann Susitz. Nach Direktor Rudolf Niederl soll er ein Getreidehändler gewesen sein. Das hier gezeigte Bild lässt noch die  Aufschrift „Josef Susitz“ erkennen, doch nach Getreidehandel sieht das gezeigte Angebot nicht aus! Wenn ich mich nicht irre – auch ein altes Haus leidet hie und da an Gedächtnisschwund – war der Getreidehändler wohl noch Hausherr, hat aber das Geschäft zum Platz hin anderweitig vermietet. Die große Schau von Bauern- und Knechtsgewändern passt am ehesten in die Wiesenmarktzeit und in die Zeit  v o r  den  Fahrrad- Uhren- und Goldwarenhändlern Leitner, die danach mit neuer Aufschrift tätig waren und wovon es ebenfalls noch Fotos gibt.

In rascher Folge lösten Josefine Rappl 1916, der Spengler Josef Zedischnig 1920, Leo Knaus (1924), Otto und Erich Knaus (1937) schließlich Paula Pemberger, geborene Knaus und Friederun Pletersky-Tschebul, geborene Pemberger einander an dieser Stelle ab.

Gar vieles wüsste ich noch zu berichten, doch bitte ich um Nachsicht, denn selbst alte Häuser können ab und zu Ermüdungserscheinungen aufweisen.                                                                 XII/2010

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