Die Felfer

August 9, 2011 um 17:26 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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 Das moderne Märchen von der Felfer beginnt damit, dass sich im uralten Taggenbrunn neue  junge Leute einstellten, darunter ein tüchtigen Koch. Dieser sorgt ab sofort dafür, dass rund um die Uhr und ohne Ruhetag auch warme Speisen in sehr guter und preiswerter Qualität verabreicht werden. Während der Burgherr schon den schönen Namen „Herr Ritter von Liebenfels“ trägt, ist der Koch nach einem passenden Prädikat noch auf der Suche. Auf die Frage, wie er denn heiße, folgte die Antwort, sein bürgerlicher Name wäre Felfernig, doch mit der Ahnenforschung sei er noch nicht weit genug. Die nächste Frage, ob man denn wisse, woher der Name Felfernig stamme, wurde glatt verneint. Wohl gebe es in der Nähe und im Görtschitztal solche Namensträger, doch woher der Name wirklich käme, wisse man nicht.

Stamm der Korbweide (Felfer)

An der Felfer

Wer unter den Lesern weiß zu helfen und zu sagen, was eine Felfer ist oder war? Der gute Duden schweigt sich darüber ebenso aus, wie Internet und Wikipedia! Sollte es sich dabei vielleicht  um einen alten Kärntner Namen handeln? Dann könnte man etwa bei Georg Graber und seinen „Sagen aus Kärnten“ nachsehen. Siehe da, im Band II von 1979 heißt es auf Seite 47 u.a. „Der krumpe Felfer“ und die Rede ist dabei von einer Korbweide! Ist Felfer nun weiblichen oder männlichen Geschlechts, das sei dahin gestellt. Immerhin heißt es d i e  Fichte,  d i e   Tanne,  d i e  Eiche, Buche usw. Dass es sich dabei um die sogenannte Korbweide (Salix viminalis) handelt, steht außer Zweifel. Nun haben einst überall und immer wieder auffällige Baumbestände für alte Hausnamen hergehalten, die später dann zu Familiennamen werden  konnten, wie z.B. Pirke für Pirker, Buche für Bucher, F(e)ichte für Feichter usw. So auch die Felfer für den halb deutschen, halb slowenischen Felfernig. Da Kärnten schon einmal deutlicher als heute ein zweisprachiges Land war, gilt es nach Eberhard Kranzmayer zu beachten, dass das was im Deutschen die Endung „-er“ zu bewirken hatte, im Slowenischen die Endung „-nik“ , später verschönt zu „-nig“ oder „-nigg“, aussagte. Slowenisch ist unser „Pirker“ ein „Wriesnik“ und unser „Linder“ ein „Lipnik“ so wie der „Ahorner“ zum „Javornik“ und der „Eschenauer“ zum „Jesenik“ wurde. Im Unterschied zu den letzten vier Beispielen, wo auch das Stammwort slowenisch ist, klingt unser Felfernig nach einer echt Kärntner-Slowenischen Mischung. Würde man nämlich die Korbweide, slowenisch Vrba heranziehen, dann hätte daraus etwa auch der Urbanik werden können. Vielleicht gibt es ihn auch irgendwo? Dann hätte man sowohl ein gemischtes wie ein einsprachiges Namenspaar. Dass schließlich mit dem Abkommen, der heute wieder mehr gepflegten Korbflechterei der Alt-Kärntner Baumnamen Felfer fast gänzlich in Vergessenheit geraten konnte, ist nicht weiter zu verwundern. Das hier gezeigte Foto entstand nahe Hanslwirt an der Zensweger Straße. Es zeigt deutlich die starke Lebenskraft dieses Gewächses, obzwar sehr alt, innen schon morsch, hohl und faul, ist die Rinde immer noch voll Kraft, und die Felfer treibt nach jeder „Ernte“ immer wieder neu aus. Wohl klar, dass der hohle, krumme Baum oft Anlass für allerlei Märchen und Sagen war.                                                                        XI/2010

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