Vom letzten St. Veiter Postillion

August 8, 2011 um 15:18 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Posthorn-Original im Besitz der Fam. Joas, Thalsdorf

Posthorn-Original im Besitz der Fam. Joas, Thalsdorf

„Eine andere Geschichte“ wurde letztens schon angekündigt, hier ist sie. Sie handelt vom letzten Postillion der Stadt, Andreas Joas mit Namen. Im heiligen Land Tirol, genauer gesagt in der Pfarre Strassen (Osttirol) am 8. 9. 1859 als Besitzersohn  geboren, kam er über Vermittlung seines geistlichen Herrn Bruders Johann, Probst von Kraig nach St. Veit. Mit Pferd und Wagen von Haus aus gut vertraut, verdingte sich der etwa Fünfundzwanzigjährige hier als Postknecht. Schon längst hat die Eisenbahn die über Land fahrenden Postkutschen abgelöst. Weil es aber noch ein gutes Menschenalter dauern sollte, bis auch St. Veit seinen Personenbahnhof (1912) und so den direkten Schnellzuganschluss bekam, waren Reisende noch lange genötigt, sich zur Bahn in Glandorf  führen bzw. dort abholen zu lassen, oder zu Fuß zu gehen. Auch waren schließlich Briefe und Pakete zwischen dem örtlichen k.u.k. Postmeister und dem Bahnhof in Glandorf immer noch per Postwagen zu transportieren.

Laut Mitteilung des Herrn Julius Dienes, Bahninspektor i.R., Graz vom 8. Juli 1952 soll in den 70er Jahren, der Postmeister Walleitner am Unteren Platz 2 ein (privates) Postamt geführt  haben. Ihm folgte in den 80ern Sophie Franzisci, die schon zuvor als Postangestellte gedient hatte. Wie weit auch der nächste und letzte k.k. Postmeister, Carl Mayerhofer, dem Bürgermeister Spöck ein literarisches Denkmal gesetzt hat, neben dem eigentlichen Postdienst noch mit Fuhrwerk zu tun gehabt hatte, war vorerst nicht auszumachen. Mayerhofer wurde bei Eröffnung des ärarischen (d.h. staatlichen) Postamtes am 1. Februar 1897 wohl in den Staatsdienst übernommen, nicht aber – wie allgemein erwartet – mit der Leitung betraut. Als k.k. Postoffizial ist er schon im Jahr darauf verstorben.

Um zu Andreas Joas zurückzukehren, sei eingestanden, dass weder sein Dienstherr, noch die Dienstadresse und auch nicht die Dauer seines Dienstes als Postknecht (=Postillion) überliefert ist. Vielleicht hilft uns da aber seine Lebensgeschichte ein wenig weiter? Es begab sich nämlich eines Tages, dass er einen überaus charmanten weiblichen Fahrgast beim Schnellzug in Glandorf aufnahm. Aloisia Archer, 1870 geborene Besitzertochter aus Zensweg, kam gerade aus Graz zurück, wo ihr in einem gutem Hause all das beigebracht werden sollte, was in Zensweg eben nicht so ohne weiteres zu haben war. War es der  innige Ton des Posthorns (Original siehe Foto!), war es der stattliche Postillion oder vielleicht doch nur der angesehene Herr Bruder in Kraig, kurzum, aus Andras und Aloisia wurde bald ein Paar und am 17. Mai 1896 ist man in Obermühlbach zum Altar geschritten. Das Posthorn verblieb im Besitz des Postillions, wurde jedenfalls nicht mehr weitergegeben. Das steht fest. Das museale Stück wird heute noch von Andreas Nachkommen hoch in Ehren gehalten. Zwischen Hochzeit und Ende der privaten Postmeisterei liegen knapp neun Monat. Das kann bedeuten, dass unser Postillion bei Carl Mayerhofer gedient und dass letzterer bis zum Ende den Posttransport und das Postamt in Händen hatte.

Die Brauteltern hatten in Zensweg den Besitz vlg Adam und später auch vlg Hanslwirt.  Andreas und Aloisia führten das Wirtshaus so lange, bis sie Neuwirt in Klein St. Paul in Pacht nahmen. Von dort aus gelang es den beiden im Jahre 1903 sich gemeinsam in Thalsdorf anzukaufen.

Abschließend eine nette Episode, die man sich über den Kraiger Probst erzählte und die so richtig zeigt, dass sich ein geistlicher Herr von Rang einstmals keine Blöße erlauben durfte, schon gar nicht, so er aus dem heiligen Land Tirol stammte! Einmal ergab sich eine still erhoffte Gelegenheit, dass die künftige Schwägerin in der Kutsche des Probstes ein Stück hätte mitreisen können. Das Ansinnen wurde kurz und unmissverständlich mit den Worten abgewiesen „Ich kann doch nicht jedem im Vorbeifahren erklären, wer Du bist und mich dem  Gerede aussetzen“.                         VIII/2009

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