Unsere Stadtmauer (2)

August 8, 2011 um 15:58 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
Schlagwörter: , , , , , ,

Herzog Bernhard (1202-1256) hielt sich sehr oft in seiner Residenz zu St.Veit auf und stellte dort mehr als die Hälfte seiner Urkunden aus. St. Veit selbst wurde unter ihm befestigt. 1224 und 1252 wird es als Ort mit einer größeren Gemeinschaft von Bürgern zum ersten male „Stadt“ (civitas), später aber bis 1263 noch wiederholt „Markt“ (forum) und 1268 „fester Platz“ (opidum) genannt. Im Jahre 1228 ist bereits von der Stadtmauer die Rede. – So weit ein wörtlicher Auszug aus Martin Wuttes Aufsatz in Norbert Rainers „Die Stadt St.Veit“ Seite 55.

Wie groß der Stadtumfang damals gewesen sein mag, ist unklar. Karl Ginhart, der große St.Veiter und Kunsthistoriker vertrat die Meinung, der heutige Untere Platz lag außerhalb der Stadtmauer und wurde erst anlässlich einer späteren Stadterweiterung einbezogen. Obwohl es dazu gelehrte Gegenmeinungen gibt, hat diese Ansicht doch einiges für sich! Noch vor jeder Ansiedlung in diesem Bereich musste man doch den natürlichen Verlauf des Baches, der aus dem Erlgraben zur Glan strebte, im Auge haben. Die Gewalt des Wassers ist bis heute Furcht einflößend, auch wenn wir inzwischen die besten Talsperren, Uferschutzbauten und die gewaltige Bachumleitung über die Villacher Vorstadt kennen. Ursprünglich muss sich der zeitweilig recht ungemütliche Nachbar doch wohl nordöstlich der Stadt befunden haben. Hätte sich sonst die alte, inzwischen abgekommene Johannes Kirche als St. Johann im Erlach nennen können? Erlach nennt der Kärntner einen Erlenbestand in Wassernähe. Allen bekannt sind Erlgraben und die Erlgasse.

Damit zum eigentlichen Thema „Stadtmauer“ . Es gibt Experten, die das Mauerwerk fachkundig zu untersuchen in der Lage sind. Diesen sei mitgeteilt, dass es jetzt die einmalige Gelegenheiten gibt, Teile der Stadtmauer auch von innen zu betrachten und zu beurteilen. All zu viel hat man der Mauer durch Anbauten, Durchbrüche und Abriss schon angetan. Jetzt empfiehlt sich jedermann ein Vergleich. Einmal wurde westlich der Bezirkshauptmannschaft sehr schön restauriert. Ein Besuch im Museum St.Veit wäre mit einer Liftfahrt zu verbinden und schon ergibt sich der beste Blick auf diesen Teil der Stadtmauer. Die zweite Möglichkeit bietet sich in der Botengasse. Die Kaffee-Konditorei Taupe hat das ehemalige Sörschen Anwesen erworben. Dieses reichte weit in die Tiefe, hatte einst dort Fremdenzimmer und auch einige ganz berühmte Gäste wie Thomas Bernhard und Ernst Jandl, welche sich beide im Gästebuch verewigten. Herr Taupe macht alles neu, hat aber vor allem diesen unbedeutenden Trakt an der Stadtmauer abgetragen. Vielleicht ist sogar ein schöner Sitzgarten an der alten Mauer geplant? Es wäre ein reizvolles und stilles, im Sinne von verkehrsloses Plätzchen!

Ein Experte könnte nun das Innenleben der zwei Mauerabschnitte studieren und feststellen, ob sich tatsächlich ein verschiedenes Baualter nachweisen lässt. So könnte ein Gelehrtenstreit friedlich beigelegt werden. Auf, auf alle, die sich dazu befähigt fühlen. St. Veit ist immer einen Besuch wert. Die hier gezeigten zwei Bilder mögen der Orientierung und Anschaulichkeit dienen.   V/2010

Werbung

Kommentar verfassen »

RSS feed for comments on this post.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Erstelle kostenlos eine Website oder ein Blog auf WordPress.com.
Entries und Kommentare feeds.

%d Bloggern gefällt das: