Über alte Mühlen unserer Stadt

August 8, 2011 um 16:00 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Anfang dieses Jahres hat man Erich Petermann zu Grabe getragen. Er war im achtzigsten und nicht irgendwer, sondern der letzte Müller der Stadt und Besitzer der Rasnig-Mühle an der Wimitz. Bei dieser Mühle handelt es sich um einen stattlichen Bau, der verlässlichen Informationen zufolge, noch komplett eingerichtet ist, es hoffentlich unbeschädigt auch bleiben wird. Diese Mühle ist zwar nur eine von insgesamt drei Mühlen am Wimitzbach, aber eine von den ältesten und besterhaltenen.

Am Tage der Hl. Helene des Jahres 1450 wird eine Urkunde verfasst – und Franz Franziszi hat sie noch selbst gesehen – sie wird von ihm im Kärntner Landesarchiv Schachtel 2/13 zitiert. Das Dokument hat ausgesagt, dass ein gewisser „Anton Wiednauer, Mühle an der Wimitz, eine ewige Stift, das ist eine laufende finanzielle Zuwendung, an das Zechamt des ehrwürdigen Gotteshauses in der Hauptstadt in Kärnten Sankt Veitskirche anordnete. Ein ewiger Jahrtag zu seinem Gedächtnis sollte vom Pfarrer und allen seinen Kaplänen, sechs an der Zahl,  gehalten werden, mit dem Schulmeister und allen Knaben des Chores. Auch sollte der Schulmeister dabei die Orgel schlagen, die Zechmeister aber nach der Vesper dem Pfarrer und seinen Gesellen zwei Viertel Wein in den Pfarrhof schicken, den besten Landwein den man in der Stadt da schenkt“. Das war sehr großzügig und konnte es auch sein, denn der Ertrag einer Mühle glich damals dem einer Goldgrube! Wie kann man sicher sein, dass hier nur die Rasnig-Mühle gemeint ist, nicht die Schön-Mühle beim Klimbacher und auch nicht die Weyer-Mühle, alle ebenso an der Wimitz gelegen? Mühleneigner waren damals meist die Grundherrschaften selbst und sehr selten Privatleute. Nur die Rasnig-Mühle liegt an einer markanten Geländestufe und damit an einem natürlichen Wasserfall. Nur sie allein hatte keine besonderen Wasserbau-Anlagen zum Aufstau nötig. Das ist übrigens auch der Grund, warum Rasnig hier bewußt mit einem „s“ und nicht mit „doppel ss“ geschrieben wird. Auch das Rosental hieß einst „Rasental“. Wenn der Kärntner auf Reisen ging, sagte er, er gehe „auf die Ras“, womit eher ein rascheres Fortbewegungsmittel gemeint war. Also bleiben wir lieber wortgeschichtlich bei „rasant“ als bei „Rasse“, wäre der bescheidene Vorschlag. Selbst die Deutungen für das Rosental wären es in diesem Sinne wert, hinterfragt zu werden, denn von Villach bis zur Annabrücke ist das natürliche Gefälle der Drau viermal so groß wie auf vergleichbarer Strecke des Unteren Drautales (Spital-Villach). Doch das nur nebenbei!

Das Steuerbuch von 1753 zählt folgende Mühlenbesitzer St. Veits mit ihren sehr unterschiedlichen Jahreserträgen auf und zwar: Franz Xaver v. Pfeilheim von der Schönmühl, Stift St.Georgen Längsee von der Mautmühl Gut Weyer, Anton Koller von der Schleifmühl an der Glan, Martin Benedict von Secherau von dessen Mühl in der Deber (Vitusgraben), Maria Anna Hoffmann von der Mühl (Rasnig?) und schließlich die Stadt selbst von ihrer Maut-Mühl an der Glan. Die Petschenig- oder Brückel Mühl  in der Spital-Gasse ist nicht mehr aktiv, denn sie wird nur noch für den eigenen Wohnwert steuerlich veranschlagt.

Eine Frage wäre noch, wie konnten die Müller in und um St. Veit so gut verdienen? Immerhin gab es hier im Laufe der Zeit, wenn auch nicht immer zeitgleich neben einander, mehrere Mühlen! Zu den dreien an der Wimitz, die wir schon kennen, kamen am Oberen Mühlbach die  „Tappermühle“ (später Matzenberger), die „Brücklmühle“ (Spitalgasse-demoliert), die „Konventmühle“ (Kartnig-Mühle), die „Bürger-Spitalmühle“ (am Bachsteig-demoliert) und schließlich knapp vor der Einmündung in die Glan noch die die gleichfalls demolierte „Mulle-Mühle“. An der Glan selbst fand sich noch die sogenannte „Glanmühle“ (heute ungefähr Schlachthofgasse 1) und die Schleifmühle (in der alten Glanschleife). Viel gebe es noch zu jeder einzelnen Mühle zu sagen, doch müssen wir uns hier bescheiden und uns hauptsächlich an die Rasnig-Mühle halten.

Allgemein auf die obige Frage nur so viel. So lange die Bauern untertänig und die Bürger nur beschränkt mit Nutzböden versehen waren, war jegliches Korn fast ausschließlich in den Händen der „Zechner“ und „Kastner“ der Grundherrschaften, dort zu kaufen und zur Mühle zu bringen. Mehl hat keine lange Lagerfähigkeit. Es wird, ganz im Gegenteil, rasch von Schädlingen befallen und dadurch unbrauchbar. Frisch gemahlenes Mehl war somit stets gefragt wie auch die dabei anfallende Kleie. Erst sehr spät gerieten die herkömmlichen Mühlen in Schwierigkeiten. Sie wurden nämlich doppelt in die Zange genommen: Zum einen haben nach der Bauernbefreiung von 1848 Hausmühlen stark zugenommen. Bauern waren also nicht mehr auf sogenannte Mautmühlen ihrer Grundherrschaft angewiesen. Die zweite Gefahr drohte von den immer bedeutender werdenden Großmühlen in Zentralräumen. Diese waren bald in der Lage, täglich frische Ware, sortenreines Mehl in jeder Menge zu liefern, anfänglich den Bäckern und Kaufleuten, heute den großen Handelsketten.

Im Bürgerbuch der Stadt St. Veit erscheint 1591 der Müllner Veit Reisniger ohne weitere Angaben. 1780 liest man darin von einem Josef Herzele, geboren 1757 an der Raßnegger Mühl. 1933 hieß der Besitzer der Rasnig-Mühle Johann Karnassnig. Er war es, der zwischen 1936 und 1938 anstatt der Wasserräder eine Turbine einbaute. Das mag wohl auch einer der Gründe dafür gewesen sein, dass der Standort lang noch fortlebte, ja in der Nachkriegszeit sogar Brot gebacken und den Städtern angeboten werden konnte.             VI/2010

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