Zur Schwarzen Muttergottes…..

Juli 28, 2011 um 16:31 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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…oder von dort weiter auf einen der beiden Muraunberge führen interessante, in letzter Zeit zum Teil aufwendig gesicherte Spazierwege. Von der Kapelle weiter gibt es mindestens drei Varianten. Links gelangt man am Zaun des Pulvermagazins des Bundesheeres vorbei über die Höhe zum Murauner, geradeaus nach Zwischenbergen – wie treffend ist dieser Ortsname – und rechts hoch geht es auf die Weberitsch Höhe mit schönen Ausblicken auf die Stadt.

 Nun hört man, auch St.Veit soll einen Link zum Hemma-Weg bekommen und der könnte, nicht unpassend von Süden her – einer alten Verbindung folgend – an der Gnadenstelle und an dem „Brünnlein“ vorüber führen. Was weiß man eigentlich von diesem kleinen Bau der Andacht, außer daß jährlich mindestens einmal eine Prozession der Stadtpfarre dort hin unterwegs ist? Manchmal spielt der Zufall mit und im Konkreten ist es gar ein Straffall, der uns zumindest teilweise zu einer Antwort verhilft.

 Im Jahre 1892 saß nämlich ein gewisser Albert Kohlweg als Angeklagter vor dem Richter. Ihm wurde vorgeworfen, die Kapelle zur Schwarzen Muttergottes aufgebrochen und beraubt zu haben. Die Sache wäre an sich relativ einfach gewesen, doch bei Gericht und vor dem Gesetz ist es meist etwas kompliziert. Dem Richter war nämlich nicht klar, welcher Paragraph gegen den armen Sünder anzuwenden wäre, weil es einen Unterschied macht, ob die entwendeten Sachen kirchliches oder privates Eigentum darstellten. In ersterem Falle hätte die Strafe schwerer ausfallen müssen. Um richtig entscheiden zu können, gab es also von Seite des Gerichtes eine offizielle Anfrage beim Stadtpfarramt. Antwort und Strafakt sind längst den Weg allen Irdischen gegangen, wie ja immer noch für Bedürfnisse eines jeden Geschichtsfreundes viel zu viel Wertvolles einfach weggeworfen wird. Doch der Herr Stadtpfarrer, es war dies kein geringerer als Dechant Gabriel Lex, Ehrendomherr, bischöflich geistlicher Rat, hat auf der Rückseite der Anfrage penibel mit Bleistift vermerkt, was er zu antworten gedachte und so vernehmen wir:

 Besagte Kapelle liegt im Bereich der Pfarre Hörzendorf, wurde 1864 erbaut und am 17.7. des nämlichen Jahres von Franz Franziski, nebenbei Kärntens berühmten Volkskundler und damals Inhaber des Gleismüllerschen Benefiziums, ex oblationibus fidelium (als fromme Stiftung?) eingeweiht. Dieses Datum scheint auch am Sockel der Statue auf. Erbauer waren die Eheleute Vinzenz und Barbara Trixner, geborene Florian.

 So weit die Notiz des geistlichen Herrn. Dazu vielleicht einige Anmerkungen. Die alte Stadtgrenze verläuft zwar in Richtung Kollerhof, St.Andrä und schließt den Muraunberg ein, pfarrlich aber war Hörzendorf für dieses Gebiet zuständig. Franziski hat nicht nur so manches über die Stadt, sondern sogar über die Passionsspiele der Gegend aufgezeichnet. Das Benefiziatenhaus und somit seine damalige Wohnung lag in der Bräuhausgasse (heute Fam. Bodner). Die Erbauerfamilie Trixner stammte aus St.Veit und bewohnte das Haus Klagenfurter Vorstadt 23 genannt Mollei-Keusche. Heute stehen dort die Häuser Klagenfurter Straße 69 und 71 auf alter Baufläche 327. Man wird auch nicht weit fehlen, wenn man annimmt, daß dort am Muraunberg zuvor schon, am Gehweg nach Süden, ein einfaches Bild und ein Brünnlein vorhanden waren. Ein südlich davon gelegener Staudamm ist zwar nicht mehr sichtbar, muß jedoch gebraucht worden sein, denn tiefer unten am Bach lag die sogenannte Schwerspat-Mühle, zur Bleiweißfabrik gehörend. Für diese hätte die normale Wasserschüttung gewiß nicht ausgereicht. Vielleicht hat sich dadurch im Oberlauf des kleinen Gerinnes, im linken Berghang ein Wassergang ergeben, der dann bei der Kapelle nur knapp höher als das Bächlein selbst austreten konnte. Das Brünnlein wurde laut Auskunft des Städtischen Wasserwerkes zuletzt zweimal bakteriologisch untersucht und es gab keine Beanstandung. Woher die Zuleitung kommt und ob es dazu eine eigene Quellfassung gibt, ist nicht bekannt aber eher unwahrscheinlich.

Daß irgend eine fromme Seele ein Schwarze-Muttergottes-Bild von einer Wallfahrt mit- und an einem Baum dort oben angebracht hat, würde durchaus altgewohnter Manier entsprechen. Die berühmtesten Schwarzen Madonnen gibt es bekanntlich in Altötting/Baiern, in Tschenstochau/Polen, ja sogar mehrmals in Spanien. Die dunkle Färbung der Bilder und Statuen führt man darauf zurück, daß Wachslichter während der langen Verehrungszeiten zu Verrußung und Schwärzung beigetragen haben, was hier natürlich nicht zutreffen kann, weil die kleine Statue von Haus aus in der Art geschaffen wurde.

 Noch ein Wort zur Quelle und zur Ansage des ORF Studio Klagenfurt zu „Orte der Kraft“. Ein Ort der Kraft kann ein jeglicher Platz sein, wo vertrauensvolle Gebete und Andachten gehalten werden, was dort auch jüngere Gedächtnisse der Familien Strutzmann und Herzele am Wege  beweisen.    X/2006

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